07.12.2011 | OVZ

Nach Schalla-Rückzug droht FDP Mandatsverlust

Möglicher Nachrücker hat inzwischen Fronten gewechselt

Altenburg. Als ob die Situation für die Liberalen nach dem überraschenden Rückzug von Karsten Schalla (OVZ berichtete) nicht schwer genug wäre. Sie verlieren nicht nur ihren Frontmann und einen der charismatischsten Politiker des Altenburger Landes, sondern es droht ihnen jetzt auch noch ein Mandatsverlust.

Denn erster Nachrücker auf der FDP-Liste für den Kreistag ist Wolfgang Krause. Doch der Skatstädter hat inzwischen die Fronten gewechselt. Krause, der auf FDP-Liste bereits in den Altenburger Stadtrat einzog, hatte sich wegen gravierender Meinungsverschiedenheiten im Zusammenhang mit dem Areal am Markt und der Zukunft des Flugplatzes mit den Freien Demokraten überworfen. “Meine Position zu diesen beiden überaus wichtigen Themen fand ich einfach bei den Sozialdemokraten am besten wieder”, begründete Krause. Er trat aus Partei und Fraktion aus und wechselte gemeinsam mit Andrea Rücker zur SPD-Fraktion.

Ein neues Parteibuch hat er allerdings bis heute nicht. Dennoch ist – für den Fall, dass Krause das Kreistagsmandat annehmen sollte – eine Mitarbeit bei den Liberalen vor diesem Hintergrund ausgeschlossen. Der FDP droht also im Kreistag das gleiche Szenario wie im Stadtrat: Sie verlieren ein Mandat. Dann hätte die liberale Fraktion mit Daniel Scheidel, Hans-Jürgen Heitsch, Rolf Herrmann und Harald Kunze nur noch vier Abgeordnete – genauso viel wie die Regionalen. Es ist deshalb ein offenes Geheimnis, dass die FDP hofft, Krause werde verzichten. Dann würde als nächster der Altenburger Unternehmer Lars Tunk nachrücken.

Wolfgang Krause selbst hat sich eigenen Aussagen zufolge noch nicht entschieden. “Das hat mich heute alles völlig überrollt. Das Telefon stand überhaupt nicht mehr still”, erklärte der 62-Jährige gegenüber dieser Zeitung. “Ich warte jetzt erst mal das offizielle Schreiben des Kreistagsbüros ab. Dann habe ich eine Woche Zeit, mich zu entscheiden.” Er werde zum gegenwärtigen Zeitpunkt definitiv keinen Schnellschuss abfeuern – schon gar nicht öffentlich. “Das bedarf alles reiflicher Überlegung.”

Zu beneiden ist der selbstständige Kaufmann jedenfalls nicht, denn er wird Druck sowohl von der FDP als auch der SPD bekommen. Die einen werden ihn bedrängen abzulehnen, die anderen anzunehmen – und zu ihnen zu kommen.

Ellen Paul