15.09.2011 | OTZ

Straßen in und um Heukewalde

Keine Hoffnung, kein Geld, keine Ideen

Heukewalde. Das Gespräch war ernüchternd. Nach über zwei Stunden Diskussion über die Straßen zwischen Heukewalde, Posterstein und Jonaswalde machten die Gemeinderäte, Bürgermeister und Einwohner am Mittwochabend keinen Hehl aus ihrer Enttäuschung. Die Reparatur der Kreisstraßen steht in den Sternen. Der Haushalt des Kreises lässt keinen Spielraum. Die zum Gespräch geladenen Fraktionschefs der verschiedenen Parteien des Kreistages konnten nichts anderes konstatieren und was wohl das Schlimmste für die Anwesenden war, auch keine Hoffnung für die nächste Zukunft geben.

Der Zustand der nur 3,50 Meter breiten Kreisstraße 502 zwischen Heukewalde und Posterstein sei seit Jahren nur einfach jämmerlichen, sagte Lutz Wolf, Gemeinderat in Heukewalde. Auch die über die Sprotte führende Brücke ist marode. Da die Brücke aus zwei Betonröhren besteht, staue sich ständig bei Hochwasser Treibgut an und bilde einen Rückstau bis in den Ort hinein, ergänzte Heukewaldes Bürgermeister Maik Piewak (parteilos). Er hatte gar eine Bilddokumentation vorbereitet, um den Kreisräten die Situation vor Augen zu führen. Auch sieht es auf den Straßen zwischen Jonaswalde und Nischwitz, Posterstein und Stolzenberg nicht anders aus.

Es ist Grenzland zum Landkreis Greiz, in das Jürgen Ronneburger (CDU), Karsten Schalla (FDP) und Dirk Schwerd (SPD) gekommen waren. Landtagsabgeordnete Michaele Sojka (Linke) sagte, sie habe vorab die Straßen abgefahren, um sich zu informieren. “Ich hoffe ohne Blessuren am Auto”, hatte Gemeinderat Wolf noch bitter gescherzt. Drei Orte in einer exotischen Randlage, die vergessen würden, monierte auch Postersteins Bürgermeister Stefan Jakubek (parteilos) fehlendes Engagement im Straßenbau. Jakubek forderte neue Ideen und nicht nur den gebetsmühlenartigen Verweis auf leere Kassen. Er bot gar an, für die Infrastruktur zweckgebundene Gelder zusätzlich zahlen zu wollen. Ob dies in allen Gemeinden des Kreises Anklang fände, bezweifelte indes Ronneburger. Aber nur die Masse schaffe Bewegungsspielraum für den Straßenbau. Er könne nicht einsehen, dass ein Prozent des Kreishaushaltes also eine Million Euro jährlich nicht festgeschrieben werden könne für den Straßenbau, hakte Jakubek weiter nach und erntete eine detaillierte Auflistung von Pflichtaufgaben des Kreises, die Schwerd aus dem Haushaltsplan vortrug. Abfall, Nahverkehr, Gesundheitswesen und Soziales, die zusammen 80 Millionen Euro kosten, umriss der SPD-Kreisrat. Dass zu den Pflichtaufgaben auch die Infrastruktur gehöre, erinnerte ihn Ronneburger. Natürlich seien Investitionen in Kreisstraßen und Brücken besser als in den Flugplatz, gab Schalla den Gemeinderäten recht, die sich deutlich gegen “Fässer ohne Boden” wie Theater und Flugplatz aussprachen. Doch ungeachtet dessen sei die finanzielle Situation so mies wie nie, meinte Schalla und warnte vor einem Verlust der Selbstbestimmung in Haushaltsfragen. Sojka war es schließlich, die in Richtung Gebietsreform und einer Vereinigung der Kommunen mit der “reichen Gemeinde Löbichau” wies, um über mehr Zuweisungen zu verfügen. Doch das hätten die Bürgermeister längst berechnet und waren auf Einbußen gekommen, so Rolf Matthes (parteilos), Bürgermeister von Jonaswalde.

Petra Lowe