28.01.2012 | OVZ

“Kommunaler Größenwahn”

Johannes Frackowiak sieht zudem noch ein ganz anderes Problem. Während der Oberbürgermeister vorgestern Abend vor dem Stadtrat erklärte, angesichts der angespannten Haushaltssituation keine Neueinstellung vornehmen, also auch keine Azubis mehr übernehmen zu können, leiste man sich auf der anderen Seite den Luxus, zwei Mitarbeiter ganzjährig für die Festspiele zu beschäftigen. Diese hohen Personalkosten, so Frackowiak, “ließen sich mit Sicherheit an anderen Stellen der Stadt besser im Sinne der Altenburger Bürger einsetzen”.

Angesichts der schwierigen Haushaltssituation ist Zschiegner, der zugleich FDP-Ortsvorsitzender ist, überzeugt, dass man nicht umhinkommen werde, auch “heilige Kühe” zu schlachten. Zumal die Finanzen in den nächsten Jahren garantiert nicht besser würden. “Es geht einzig und allein darum, das Geld der Bürger bestmöglich für die Bürger einzusetzen.”

Für die beiden FDP-Stadträte steht fest, dass eine von der Stadt unabhängige Betreiberstruktur durchaus vielfältige Möglichkeiten für die Festspiele eröffnen würde, wobei gegen einen kleineren Zuschuss der Stadt bei entsprechend guter Haushaltslage nichts einzuwenden wäre.

In jedem Fall aber wäre es besser, Gelder bei den Festspielen einzusparen, als Gebühren und Eintrittsgelder für all jene Institutionen zu erhöhen, die von der Altenburger Bevölkerung ganzjährig genutzt werden, wie zum Beispiel die Bibliothek, das Hallenbad und das Freibad. Oder – wie von OB Wolf angedacht – die Grundsteuer B zu erhöhen. “Und auch eine Verkürzung der Arbeitszeit mit Lohnverzicht für städtische Angestellte geht zulasten der Bürger und kann deshalb keine Lösung sein”, stellt Zschiegner mit Blick auf entsprechende Absichten des Oberbürgermeisters klar.

“Dass einige immer noch glauben, eine Stadt unserer Größenordnung und mit diesen Finanzproblemen könne sich Festspiele um jeden Preis leisten, kann man nur als kommunalen Größenwahn bezeichnen”, heißt es abschließend.