31.01.2012 | OTZ

Das Ende der Flugplatzgeschichte für Altenburg

Der Stadtrat will Anteile an der Gesellschaft nicht zurückhaben und gibt Weg frei für Verkauf an einen Investor.

Altenburg. Der Altenburger Stadtrat hat endgültig auf den Rückkauf seiner Geschäftsanteile am Flugplatz Altenburg-Nobitz verzichtet.

Letztlich entschied der Zeitmangel. Bis 31. März hätte die Stadt unentgeltlich 19 Prozent der Flugplatzgesellschaft übernehmen können. Es sind genau die Anteile, die 2009 völlig überraschend von den Altenburger Stadtwerken gekündigt wurden. Bislang hatte man sich noch nicht darüber einigen können. Der Erwerb war angesichts der damit anstehenden Finanzspritzen bei manchem Stadtrat nicht gern gelitten und außerdem waren die Geschäftsanteile inzwischen zum Kauf angeboten worden. Oberbürgermeister Michael Wolf (SPD) hatte in einer Dringlichkeitsvorlage den Stadträten nahe gelegt, die Finger vom Flugplatz zu lassen. Nach ausführlicher Diskussion taten sie dies, einstimmig.

Zuvor war ein Brief des Landrats Sieghardt Rydzewski (parteilos) ins Haus von OB Wolf geflattert, mit der Bitte, vom Erwerb Abstand zu nehmen, um nicht den offenbar bevorstehenden Verkauf von insgesamt 93 Prozent der Anteile zu gefährden. Der Kreistag muss der Veräußerung der Anteile am 15. Februar in dieser Höhe zustimmen. Das Altenburger Land ist Hauptgesellschafter, die Gemeinde Nobitz hält fünf Prozent, die Thüsac drei und der Stadt Meerane gehörten zwei Prozent. Die allerdings sollen an die Gesellschaft zurückgehen, die bisher 30 Prozent hielt.

Einen Tag später ein weiterer Brief. Darin erklärte der Landrat, dass der Kaufinteressent “aller Voraussicht nach zurückziehen werde, falls bis Anfang März der Erwerb der Geschäftsanteile nicht zum Tragen komme”. Außerdem, sollte der Verkauf unter Dach und Fach sein, würde die Option der Stadt gar nicht mehr zum Tragen kommen. Das Zeitfenster ist aber nicht nur für den Kaufinteressenten knapp, der bereits Anfang März einen Notartermin hat. Es war jetzt ohnehin zu knapp geworden für die Stadt.

Allein der Gang durch die verschiedenen Gremien wie Kreistag und Rechtsaufsicht für einen solchen Rückerwerb-Beschluss könnte Wochen, wenn nicht gar Monate dauern und wäre bis zum Ende der Kaufoption an die Stadt, 31. März, nicht realisierbar. Dies machte Wolf auch CDU-Fraktionschef und OB-Kandidat, André Neumann, klar. Der hatte zunächst noch eine Ablehnung des Rückkaufs an die Zustimmung zum Verkauf im Kreistag abhängig machen wollen. Ein sinnfreies Unterfangen. Der Verzicht auf den Rückkauf sei eine reine Vernunftsentscheidung, lenkte Neumann ein. Man würde ein Kapitel schließen, das keine Sieger kennt. Allerdings sei das Vertrauen zwischen Stadtrat und OB zerstört, gab Neumann zurück und erinnerte so an die Rolle Wolfs bei der Kündigung der Anteile durch die Stadtwerke. “Ich habe den Realismus im Auge. Ab 1. April wäre die Option wertlos und wir hätten möglicherweise einen Investor verloren”, fasst er das Dilemma zusammen.

Peter Müller, Fraktionschef und OB-Kandidat von Pro Altenburg, hatte zu den unermüdlichen Kämpfern für den Flugplatz und den Wiedereinstieg der Stadt gehört. Er sei traurig über die Entwicklung, aber auch froh, dass man sich nicht mehr reiben müsse daran, sagte er. Nun sei allerdings die Landesentwicklungsgesellschaft gefordert, das Gewerbegebiet drumherum zu beleben.

Er wolle dem nicht mehr nachtrauern, sagte Harald Stegmann (Linke) und hätte sich gewünscht, dass die Flugplatzgesellschaft in öffentlicher Hand geblieben wäre. Aber auch mit der Neuausrichtung auf den Geschäftsreiseverkehr könne er leben, meinte Stegmann.

Seit dem Aus der Ryanair-Flüge hatte der Flugplatz ohnehin für Altenburg keinen touristischen Wert mehr. Touristenströme in die Stadt bleiben aus, so sie jemals überhaupt an die Skatstadt gebunden werden konnten. Genau das hatte FDP-Mann Detlef Zschiegner im Blick und freute sich, dass die Flugplatzgeschichte endlich ein Ende fand auch wenn sich keiner mit Ruhm bekleckert habe.

Petra Lowe