14.03.2012 | OVZ

Den Stift aus der Hand gelegt

Der Altenburger Journalist und Conférencier Eberhard Heinze ist tot

Altenburg. Er dürfte zu den ältesten aktiven Journalisten Deutschlands gehört haben. Vielleicht war er sogar der älteste überhaupt. Noch im neunten Lebensjahrzehnt schrieb er für Tageszeitungen und Wochenblätter der Region, hatte seine wöchentliche “Polizeireport”-Kolumne, standen seine Texte in diversen Broschüren. Dem OVZ-Leser sind zuletzt vor allem seine Berichte über kulturelle Veranstaltungen in Erinnerung. Denn nur zu Hause sitzen, das konnte er einfach nicht. Jetzt aber hat der Mann mit dem markanten schlohweißen Haar den Stift aus der Hand gelegt. Der Altenburger Journalist und Conférencier Eberhard Heinze verstarb, wie erst gestern bekannt wurde, am Sonnabend im Alter von 85 Jahren.

Seinen Jugendtraum, Journalist zu werden, hatte sich der gebürtige Skatstädter erst in späten Tagen erfüllen können. Seine Eltern nämlich rieten zu einer Bibliothekar-Ausbildung. Er war Buchhändler und Pressesprecher beim Konsum, bevor er sich in den 50er-Jahren selbstständig machte. Eberhard Heinze moderierte viele Jahrzehnte landauf, landab zwischen Kap Arkona und Fichtelberg sowie im damaligen sozialistischen Ausland. Modenschauen vor allem waren sein Metier. Bis zu 250 Auftritte pro Jahr standen in seinem Terminkalender. Wenn er zur Freude von Ehefrau Irmgard und Sohn Ralf wirklich mal zu Hause war, warteten noch ehrenamtliche Aufgaben, wie im von ihm 1945 mitgegründeten Kulturbund.

Mit der Wende allerdings kam das große Loch. Kulturhäuser und Betriebe, jahrzehntelang treue Auftraggeber, verschwanden von einem Tag auf den anderen oder hatten kein Geld mehr. Verträge wurden stapelweise storniert. Aufhören wollte der inzwischen 63-Jährige dennoch nicht. Er versuchte bei neuen Medien, wie dem vom inzwischen renommierten Schriftsteller Ingo Schulze herausgegebenen “Altenburger Wochenblatt”, Fuß zu fassen. Erster Termin: Ein Interview mit Otto Graf Lambsdorff im Goldenen Pflug. Für den selbst liberalen Heinze ein besonderes Erlebnis.

Zu- statt abgenommen hat mit den Jahren aber vor allem sein gesellschaftliches Engagement. Eberhard Heinze war stellvertretender Vorsitzender des Kulturbundes, lange Zeit Geschäftsführer des Fremdenverkehrs- und Heimatvereins, war aktiv im Bund der Vertriebenen, im FDP-Kreisverband und in der Arbeitsgruppe jüdischer Mitbürger. Hier setzte er sich für die Installation einer Gedenktafel in der Pauritzer Straße ein, zeichnete verantwortlich für die alljährlich dort stattfindende Gedenkveranstaltung. Und auch der Blumenschmuck-Wettbewerb ist mit seinem Namen verbunden.

Um seine Person indes machte der Altenburger nie großes Gewese. Legendär ist sein Brief an die Kollegen der schreibenden Zunft, ihm zu seinem 80. Geburtstag auf gar keinen Fall irgendwelche Elogen zu widmen. Man hielt sich dran. Beim Nachruf indes wird es wohl anders aussehen. Zu bekannt der Name Eberhard Heinze und zu verdienstvoll das Wirken des Mannes, der bis zum Schluss all seine Texte traditionell auf Schreibmaschine tippte und in einen inzwischen wohl jahrzehntealten Ringhefter stets nur neue Blätter fügte.

Jetzt bleibt die Maschine unberührt, der Hefter leer. Eberhard Heinze erlag am Sonnabend den Folgen eines schweren Sturzes in seinem Haus.

Ellen Paul/Ralf Miehle