08.07.2004

FDP: Hochmut kommt vor dem Fall

Wie das Kuratorium der Thüringer Technologiestiftung (STIFT) gestern mitgeteilt hat, soll das Zentrum für Präzisionskunststofftechnik nun endgültig in Hermsdorf angesiedelt werden. Damit ist eine weitere wichtige Standortentscheidung gegen Altenburg und den gesamten Landkreis gefallen. Dabei ging die Idee zu dem Projekt einst vom Wirtschaftsverein Altenburger Land aus, auch, um die Kompetenzen der im Landkreis ansässigen Kunststoffverarbeiter herauszustellen und zu fördern.

“An diesem Projekt”, so FDP-Kreisvorsitzender Karsten Schalla, “zeigt sich das Scheitern einer ganzen Region. Zuerst hat Sieghardt Rydzewski dem Wirtschaftsverein das Heft aus der Hand genommen und sich selber zum großen Promoter ernannt. Viele Ideen und Kontakte, die der Wirtschaftsverein bereits aufgebaut hatte, hat Rydzewski verworfen. Das Ergebnis haben wir jetzt. Hochmut kommt vor dem Fall, und mit der Entscheidung von gestern ist das Altenburger Land ein weiteres Mal ins Leere gefallen.”

Aber die Liberalen suchen nicht nur beim Landrat die Schuld. Auch die Uneinigkeit innerhalb der beteiligten Firmen und persönliche Eitelkeiten sind aus ihrer Sicht mit Schuld daran, dass Hermsdorf den Vorzug erhalten hat. Dazu noch einmal Karsten Schalla: “Ich denke, dass wir bei vergleichbaren Projekten auch in Zukunft scheitern werden, wenn es uns nicht gelingt, den Graben zwischen Altenburg und Schmölln zuzuschütten. Es kann nicht sein, dass ein anderer Standort im Landkreis für manche Beteiligte schwerer zu akzeptieren ist als ein Standort außerhalb des Landkreises. Ich sehe deshalb auch in der Identitätsstiftung im Landkreis eine ganz wichtige Aufgabe für den neuen Kreistag.”

Last but not least geben die FDPler auch der CDU einen Funken Mitschuld an dieser, für die Region bitteren, Entscheidung aus Erfurt. “Den Altenburger CDU-Abgeordneten ist es weder im Vorfeld noch jetzt, direkt nach der Wahl, gelungen, hier eine positive Entscheidung für das Altenburger Land durchzusetzen. Es hat den Anschein, dass Thüringen zumindest innerhalb der Landes-CDU spätestens am Hermsdorfer Kreuz endet”, so Schalla kritisch an die heimische CDU. “Ich weiß nicht, welche Möglichkeiten Neu-MdL Christian Gumprecht hat. Aus meiner Sicht müsste er sich umgehend noch einmal mit Altenburgs OB Michael Wolf zusammensetzen, die Trümpfe neu sortieren und in Erfurt ein Contra wagen. Nur geschlossen und über Parteigrenzen hinweg besteht vielleicht noch eine klitze-kleine Chance. Und die sollte man unbedingt nutzen!”