19.02.2009 | OVZ

Gefeuert und gegangen

Stephan Riechel steht vor Auszeit / Wolfgang Preuß zieht sich aus Politik zurück

Altenburg. Als nach dem jüngsten Redebeitrag Stephan Riechels im Altenburger Stadtrat von politischem Harakiri gesprochen wurde, dachten die meisten wohl eher an den Denkzettel, den die Wähler dem jungen Politiker zur Kommunalwahl im Juni verpassen könnten. Denn mit seiner Meinung zum Bau einer Schweinemastanlage in Mockzig vertrat Riechel so gar nicht Volkes Meinung. Doch das Volk wird womöglich gar keine Entscheidung mehr treffen können. Die hat den Wählern bereits die FDP abgenommen, die dem Neu-Parteimitglied den Stuhl vor die Tür setzte. Zumindest so gut wie.

Wie der FPD-Kreisvorsitzende Daniel Scheidel gegenüber OVZ bestätigte, fasste der Vorstand einstimmig den Beschluss, Stephan Riechel nicht auf seine Vorschlagslisten für Kreistag und Altenburger Stadtrat zu setzen. Dabei, so Scheidel, sei die Haltung zur Schweinemast nur der berühmte Tropfen gewesen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Wiederholt habe es in den letzten Wochen und Monaten missverständliche und nicht abgestimmte Äußerungen von Riechel gegeben. Sowohl in Presseerklärungen als auch auf seiner Homepage habe er den Eindruck erweckt, im Namen der FDP zu sprechen.

Mehrfach sei der Versuch unternommen worden, mit Stephan Riechel darüber zu reden. Leider vergebens, bedauert Scheidel. Deshalb zogen die Liberalen die Reißleine und distanzierten sich zuerst von den öffentlichen Verlautbarungen und dann von ihm als möglichem FDP-Kandidaten. „Wir können uns nicht bis zur Kommunalwahl mit Stephan Riechel beschäftigen“, so Scheidel.

Riechel selbst hingegen ist überzeugt, dass seine Haltung zur Schweinemast diese Reaktion hervorrief. „Ich hätte nicht geglaubt, dass man mich in dieser Schärfe abstraft. Ich weiß nicht, was ich falsch gemacht habe. Ich bin menschlich einfach schwer enttäuscht, weil ich nicht dachte, dass man so undemokratisch mit einer freien Meinungsäußerung umgeht“, erklärte er im OVZ-Gespräch. Wie es nun weitergeht, weiß Riechel noch nicht. „Ich brauche etwas Bedenkzeit, will erst mal abwarten.“ Er könne sich auch eine politische Auszeit vorstellen.

Der Finanzbeamte war 2004 für die CDU in den Altenburger Stadtrat eingezogen und hatte bei den Christdemokraten ziemlich schnell Karriere gemacht. 2006 wollten sie ihn sogar als OB-Kandidaten ins Rennen schicken. Doch Riechel brüskierte die Partei und lehnte ab. Kurz darauf trat er aus der Partei und Fraktion aus, sitzt seither als fraktionsloser Abgeordneter im Stadtrat. Obwohl er erklärte, sich so schnell keinesfalls wieder an eine Partei binden zu wollen, trat er vor knapp einem Jahr der FDP bei.

Auch Wolfgang Preuß, dem zweiten Abgeordneten, der sich öffentlich pro Schweinemastanlage aussprach, soll diese Haltung schwer auf die Füße gefallen sein. Die SPD habe den Parteilosen aus ihrer Fraktion geschmissen, wird hinter vorgehaltener Hand erzählt. Doch dieses Gerücht wies Fraktionschef Nikolaus Dorsch entschieden zurück.

„Und ich habe nicht die Absicht auszutreten“, erklärte Preuß gegenüber unserer Zeitung. „Richtig ist, dass ich aus gesundheitlichen Gründen nicht wieder kandidiere. Ich ziehe mich aus der Politik zurück.“ Preuß war 1999 für die Unabhängige Wählergemeinschaft in den Stadtrat eingezogen, 2005 zur SPD gewechselt und hatte als Vorsitzender des Regionalverbandes der Kleingärtner nun für die Sozialdemokraten viele Stimmen gezogen.

Auf diesen Bonus hofften zuletzt die Regionalen. Diese neue Gruppierung – so das jüngste Gerücht zur Person Wolfgang Preuß, der jetzt in der Wirtschaftsförderung des Landratsamtes tätig ist – wollte mit ihm als Spitzenkandidat in Altenburg punkten. Doch das hat sich nun erledigt.

Ellen Paul