24.04.2012 | OVZ

Zufrieden, überrascht, enttäuscht, siegessicher

So bewerten die Kreischefs von Parteien und Regionalen den Wahlausgang

Altenburg. Wunden lecken, Strategien für die kommenden zwei Wochen vor den Stichwahlen debattieren, Empfehlungen diskutieren, Schwachstellen analysieren. Die Parteien und das Wählerbündnis Die Regionalen nutzen die Zeit bis zur Stichwahl auf unterschiedliche Art und Weise. OVZ sprach über den Ausgang der Landrats- und Oberbürgermeisterwahl und über mögliche Empfehlungen mit den Kreisvorsitzenden.

Von Jens Rosenkranz

Selbst am Tag nach der Wahl war die Stimmung bei Uwe Melzer noch im Keller. Der CDU-Kreisvorsitzende landete als Landrats-Kandidat mit 21,7 Prozent auf Platz drei und muss die Stichwahl Michaele Sojka (Linke) und Sieghardt Rydzewski (parteilos) überlassen. “Ich habe einen guten Wahlkampf geführt, doch die Wähler haben anders entschieden”, zeigte sich Melzer enttäuscht. Völlig überrascht war er über das Abschneiden von Sojka, die zehn Prozent mehr Stimmen eingefahren habe, als für die Linken sonst üblich seien. “Das beschäftigt mich sehr”, sagte Melzer. Als unbegreiflich und völlig inakzeptabel bezeichnete er sein eigenes Abschneiden in Schmölln mit 12,2 Prozent. Über die Gründe dafür werde noch zu reden sein. Im Moment stehe nicht fest, ob die CDU zur Landrats- oder OB-Wahl eine Empfehlung ausspricht. Er selbst werde auf keinen Fall Frau Sojka empfehlen.

Entspannter zeigte sich dagegen Hartmut Schubert (SPD), der sich besonders über das Abschneiden von Michael Wolf in Altenburg freute, der doppelt so viele Stimmen wie sein Kontrahent Peter Müller (Pro Altenburg) eingefahren hat. “Wir sind sicher, dass Michael Wolf die Stichwahl gewinnt”, sagte der SPD-Kreischef. Als “etwas enttäuschend” bezeichnet Schubert das Abschneiden von Bettina Feller bei der Landratswahl. Die Zeit für die Ersatz-Kandidatin war offenbar zu kurz, um bei den Wählern den nötigen Bekanntheitsgrad zu erreichen. Dennoch war es richtig, den Wählern ein Angebot zu unterbreiten. Der Kreisvorstand habe sich noch nicht entschieden, ob und für wen eine Empfehlung bei der Landrats-Wahl ausgesprochen werde. Die Meinungen innerhalb der SPD gingen da weit auseinander. Auch Schubert selbst gehe völlig offen in diese Diskussion.

Es sei leichter, die Wähler mit bekannten Personen zu erreichen. Damit kommentierte Linken-Kreischef Frank Tempel das schwache Abschneiden von OB-Bewerber Michael Sonntag. Der sei zwar ein guter Fachmann, ihm sei es aber innerhalb der kurzen Zeit nicht gelungen, sich bei den Altenburgern einen Namen zu machen. Immerhin konnte durch die Bewerbung Stellung zu wichtigen Fragen bezogen werden. Mit den 30,3 Prozent für Michaele Sojka habe die Linke das obere Limit ihrer Möglichkeiten ausgeschöpft. “Damit sind wir hochzufrieden”, freute sich Tempel. Und es eröffne für die Stichwahl gute Chancen. Über eine mögliche Wahlempfehlung für Altenburg habe der Vorstand noch nicht entschieden. Tempel selbst werde vorschlagen, darauf zu verzichten. Auf jeden Fall werde sich die Linke für eine höhere Wahlbeteiligung einsetzen, die enttäuschend war.

“Bei der Landratswahl haben wir uns einen anderen Ausgang gewünscht”, erkannte FDP Kreischef Steffen Plaul an, dass die Empfehlung der Liberalen für Uwe Melzer nicht geholfen habe. Für ihn ist das relativ schwache Abschneiden des CDU-Bewerbers völlig unerklärlich. “Ich weiß nicht, was da falsch gelaufen ist”, sagte er. Als bedenklich und gar erschreckend bezeichnete Plaul, dass für die Linke mit Michaele Sojka fast ein Drittel der Wähler gestimmt hätte. Für Empfehlungen sowohl für die Landrats- als auch für die OB-Wahl sei es jetzt noch zu früh. Das müsse die FDP erst beraten.

Mit der Stichwahl zwischen Rydzewski und Sojka sieht der Kreisvorsitzende der Regionalen, Steffen Kühn, seine Vorhersage haargenau eingetreten. Das Wählerbündnis hält an der getroffenen Empfehlung für den amtierenden Landrat fest. Er habe viel für den Kreis geleistet, was die Bürger zu schätzen wissen und weshalb Rydzewski auch gewinnen werde. Zur OB-Wahl sprechen sich die Regionalen für Peter Müller aus. Mit ihm gebe es frischen Wind in der Stadt, den Altenburg sehr gut gebrauchen könne, sagte Kühn.