09.05.2012 | OVZ

“Wir kriegen keine Ärzte”

Amtsarzt Bernhard Blüher will auf Mediziner-Kongress in Erfurt Zeichen setzen

Altenburg. 700 Ärzte, Wissenschaftler und Politiker – darunter Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) – werden morgen den Erfurter Kaisersaal füllen. Bis Samstag findet der Bundeskongress für den Öffentlichen Gesundheitsdienst in Thüringen statt.

Das letzte Mal gab es eine solche Veranstaltung vor 13 Jahren in Weimar. Schon damals wurde sie von Dr. Bernhard Blüher, Fachdienstleiter Gesundheit im Landratsamt Altenburger Land, mit vorbereitet. Diesmal möchte er “die Landeshauptstadt von ihrer besten Seite präsentieren.” Neben Glanz und Gloria: Wichtiger ist Blüher, auf die seiner Ansicht nach prekäre Lage im Öffentlichen Gesundheitsdienst hinzuweisen. “Wir kriegen keine Ärzte. Und unsere Aufgaben kann kein anderer übernehmen.” Wasserhygiene, Seuchenschutz, Sozialpsychiatrie, Eingangsuntersuchungen für Schüler: Blüher zählt eine lange Liste auf, die seine Aufgabenbereiche deutlich macht.

Trotzdem hinke der Öffentliche Gesundheitsdienst in der Wahrnehmung der ambulanten und stationären medizinischen Versorgung hinterher. Daher haben die Veranstalter den Erfurter Kongress unter das Motto gestellt: Der Öffentliche Gesundheitsdienst – die dritte Säule des Gesundheitswesens. Zum bislang blassen Image kommen die verhältnismäßig schlechte Entlohnung und der Nachwuchsmangel hinzu. In anderen Bereichen werde mehr bezahlt, weiß Blüher. “Man kann keinem jungen Menschen erklären, dass er als Anfänger im Krankenhaus mehr verdient als ein Amtsarzt.”

Die Folge: Fachärzte fehlen. Epidemiologen, Kinderärzte, Psychiater. Die öffentlichen Arbeitgeber seien bislang nicht bereit, Lösungen zu finden, kritisiert Blüher. Da werde viel genickt, aber wenig gehandelt. Davon betroffen ist das Altenburger Land. Offene Stellen können nicht besetzt werden, für die Ausbildung zum Facharzt für das öffentliche Gesundheitswesen finden sich wenige bis keine Bewerber. Blüher: “Momentan kommt keiner, da diese Berufseinsteiger auf 1000 Euro im Grundgehalt verzichten müssten.” Auf diese Situation will Blüher in Erfurt aufmerksam machen. Auch inhaltlich: So möchte der Mediziner einige Altenburger und Thüringer Themen auf die Kongress-Agenda heben. Die Stellung von Behinderten in den hiesigen Schulen etwa oder die gestartete Zusammenarbeit im Gemeindepsychiatrischen Verbund. In einer Posterausstellung im Kaisersaal werden unter anderem zwei Altenburger Plakate zur sozialpsychiatrischen Versorgung hängen.

Welche konkreten Auswirkungen das Zusammentreffen auf die Arbeit im Altenburger Land haben wird, das kann Blüher noch nicht einschätzen. “Erst einmal gehe ich davon aus, dass es ein guter Kongress wird und erhoffe mir, dass die Probleme und Aufgaben des Öffentlichen Gesundheitsdienstes ins Bewusstsein der Öffentlichkeit rücken.”

Conrad Ziesch