11.01.2013 | OVZ

Schalla verlässt FDP

Altenburg. Der langjährige ehemalige Kreisvorsitzende und Kreistagsfraktionschef Karsten Schalla ist zum Jahresende aus der FDP ausgetreten. Der 46-Jährige wollte seine Entscheidung gegenüber der OVZ nicht kommentieren, gab lediglich persönliche Gründe an. FDP-Kreischef Daniel Scheidel zeigte sich überrascht.

Karsten Schalla tritt überraschend aus der FDP aus

46-Jähriger führt persönliche Gründe an / Kreisvorsitzender bedauert Entscheidung, sieht Partei jedoch nicht geschwächt

Altenburg. Der ehemalige Partei- und Kreistags-Fraktionsvorsitzende der Liberalen im Altenburger Land, Karsten Schalla, ist zum 31. Dezember aus der FDP ausgetreten. Das teilte gestern der Kreischef der Liberalen, Daniel Scheidel (53), in einer Pressemeldung mit. Für ihn, den langjährigen Weggefährten Schallas, kam der Austritt ziemlich überraschend, heißt es. “Als das Austrittsschreiben bei mir eingegangen ist, bin ich aus allen Wolken gefallen”, erklärte der Vorsitzende.

Karsten Schalla bestätigte gestern gegenüber OVZ seine Entscheidung, wollte zu den Ursachen allerdings keinen Kommentar abgeben. Es seien rein persönliche Gründe gewesen, auf jeden Fall keine politischen, sagte er der OVZ.

Unter Schallas Führung ist der FDP-Kreisverband seit Anfang der 2000er-Jahre zu einer bedeutenden politischen Kraft im Landkreis geworden, heißt es in der FDP-Meldung. Er hatte seine politischen Mandate allerdings im Dezember 2011 niedergelegt. Dafür hatte Schalla zu jener Zeit gesundheitliche Gründe angegeben und das dringende Anraten seiner Ärzte, politische Ämter ruhen zu lassen.

Der Austritt aus der FDP Ende des Jahres habe jedoch keine gesundheitlichen Hintergründe, betonte der 46-Jährige. Er habe ja seit vielen Monaten keine Arbeit für die Liberalen mehr geleistet und sich komplett aus der Politik herausgehalten, sowohl in der Stadt Altenburg als auch im Landkreis. Doch auch dies habe nichts mit seinem Austritt zu tun. Für eine politische Rückschau seiner Arbeit, auf Höhen und Tiefen, sei es noch zu früh, sagte Schalla. Was ihm aber sofort einfalle, sind die vielen Debatten über die schwierige finanzielle Lage des Theaters, die ihn sehr belastet hätte.

Karsten Schalla war jahrelang das Aushängeschild der FDP – in der Stadt Altenburg ebenso wie im Landkreis Altenburger Land, heißt es in der Meldung der Liberalen. Er habe aus seiner liberalen Überzeugung nie einen Hehl gemacht. Hervorgehoben werden die vielen politischen Gefechte, die er mit dem ehemaligen Landrat Sieghardt Rydzewski (parteilos) ausgetragen hat. Selbst Nachteile für seine Firma bei der Vergabe von öffentlichen Aufträgen habe er in Kauf genommen, wenn es darum ging, politisches Rückgrat zu beweisen.

“Natürlich bedauern ich und meine Vorstandskollegen den Austritt sehr, gleichwohl wir seine Entscheidung natürlich akzeptieren müssen”, erklärte Scheidel. “Wir haben allerdings gehofft, dass er sich nach einer gewissen Auszeit wieder fit fühlen würde, peu à peu zurück auf die politische Bühne zu kommen. Dass er jetzt einen kompletten Schnitt macht und sich vollständig von seinen liberalen Weggefährten verabschiedet, erstaunt und verwundert nicht nur mich. Im Moment bleibt uns nur zu hoffen, dass er es sich doch noch einmal überlegt und zumindest als einfaches Mitglied den Weg zurück zu den Liberalen findet.”

Ob womöglich die äußerst schwierige Lage der FDP auf Bundesebene zum Austritt geführt habe, vermochte Scheidel nicht zu beantworten. “Natürlich mag die aktuelle Situation der Partei, insbesondere in der Berliner Führungsebene, eine Rolle gespielt haben. In der Vergangenheit haben wir uns im Kreisverband – auch Karsten Schalla – jedoch nie von den Ereignissen und Meldungen aus der Bundeshauptstadt beeindrucken lassen. Wir haben gute Politik hier vor Ort gemacht. So wird es auch in Zukunft bleiben, mit oder ohne Karsten Schalla.”

Jens Rosenkranz