20.10.2012 | OTZ

Ein Schmöllner in Altenburg

Karsten Schalla ist und bleibt ein Schmöllner Junge

Gesichter des Altenburger Landes: Karsten Schalla hat zwei Leidenschaften, eine zur Feuerwehr und eine zum Mitgestalten. Seit 20 Jahren führt er seine Brandschutzfirma und jahrelang mischte er in der Landkreispolitik mit. Bis es “Stopp” hieß.

Schmölln/Altenburg. Karsten Schalla sitzt in seinem Büro am Altenburger Brühl. Das Fenster gibt den Blick frei zum Schloss. In ganzer Pracht ist es zu sehen und im schönsten Sonnenschein. Das richtige Wetter für Karsten Schalla. Der Unternehmer feiert das 20-jährige Bestehen des Brandschutzbüros, das seinen Namen trägt. Gutes Wetter ist da nicht nur verdient, es gilt auch als gutes Omen. Und er kann ihn genießen, den Augenblick des Innehaltens.

“Noch vor einem Jahr wäre das nicht gegangen”, sagt er. Der damals 45-Jährige war ausgebrannt, war auf der Überholspur plötzlich gestoppt worden. Zu viel Arbeit, zu viel gesellschaftliches Engagement, zu viel Leidenschaft für beides. “Heute habe ich mein Leben neu geordnet”, sagt Karsten Schalla und blickt mit seinen grünen Augen ruhig umher. Die Jahreszeiten würde er auch wieder wahrnehmen, sagt er und lächelt spöttisch. Er weiß, dass man viel übersehen kann in einer rastlosen Zeit.

Seit 2006 ist er in Altenburg. Manch Schmöllner habe ihm den Umzug übel genommen, weiß Karsten Schalla. Gefragt nach dem Grund des Wechsels kann die Antwort nicht seltsamer sein. Es habe an der Datenübertragung gelegen. Für ein schnelles Netz sei das Schmöllner Stadtgebiet nicht ausgelegt gewesen und ein Neubau im Gewerbegebiet Crimmitschauer Straße sei letztlich an der Thüringer Aufbaubank gescheitert, erzählt der dunkelblonde schlanke Mann. Mit dem Gründerzeit-Haus Am Brühl habe sich letztlich eine neue Chance geboten und eine gute Tat am maroden Bauwerk obendrein.

Doch sein Herz hänge noch an der Knopfstadt. Er sei ein Schmöllner Junge, daran werde sich auch nichts ändern. Karsten Schalla ist hier vor 46 Jahren geboren worden, zur Schule gegangen und hat seine Leidenschaft hier gefunden: die Feuerwehr. Obwohl diese Leidenschaft zunächst gar nicht so schnell entflammte. Er habe mit dem Fußball geliebäugelt. “Doch da war der Bruder schon drin.” Und die Aussicht auf noch mehr Fußballerwäsche zauberte kein Lächeln auf Mutters Gesicht. So ging es zur freiwilligen Feuerwehr. Da war er 13 Jahre alt. Er ist stolz, dass er die Tippeltappeltour in die Führungsetage schaffte bis zum Leiter der Schmöllner Feuerwehr.

Nach der Wende kam der gelernte Maschinen- und Anlagenmonteur zur Berufsfeuerwehr Altenburg. Rückblickend und mit einem Augenzwinkern sagt er über das Dasein als Feuerwehrmann: “Das Adrenalin, das durch die Adern fließt, weil du nicht weißt, was los ist, wenn der Piepser geht” und schiebt ganz trocken nach: “Nun, ruhiger geht es ja auch”. Aber Ruhe ist bei Karsten Schalla relativ. Denn auch mit der Firmengründung 1992 ist an Ruhe nicht zu denken. Ein 24-Stunden-Tag. Dann stellt er den ersten Mitarbeiter ein. Heute sind es 17, “mich eingeschlossen”, sagt er und weiß, dass soziale Verantwortung schwer wiegen kann.

Er habe dann aber auch die Arbeit in der Freiwilligen Feuerwehr Schmölln an den Nagel gehängt. Ein neues Aktionsfeld fand Karsten Schalla in der FDP und bei Rotary. Während der Club eher im Stillen agiert, stand er mit der FDP plötzlich im Rampenlicht und politischem Feuer. Er nehme ja nie ein Blatt vor den Mund, bestätigt Karsten Schalla alle Einschätzungen, die man bislang von ihm hörte. Damit müsse man umgehen, sagt er und lehnt sich im Stuhl zurück. Die Erinnerung an diese Zeit erheitert ihn ein bisschen, daran, dass er schnell den Liberalen Trupp anführte. “Ich kam dazu wie die Jungfrau zum Kinde”, sagt er.

Und im Kreistag ab 2004 macht er noch mehr von sich reden. Das war greifbare Politik, das war Mitgestalten, das war seine Sache mit allen Siegen und Niederlagen. Mancher wird sich noch an seinen überraschenden Austritt aus dem Theater-Aufsichtsrat erinnern. Dass die Dinge nicht beim Namen genannt wurden und werden und keine Schlüsse daraus gezogen, ärgere ihn noch heute, sagt er und man spürt, wie das Blut langsam stärker pulsiert. Die Ruhe ist hin, nun doch gestikulierende Hände. Klar hängen daran Enttäuschungen, die auch Karsten Schalla nicht so leicht wegsteckt. “Solche Erfahrungen bleiben ja auch geschäftlich nicht aus. Du gewöhnst dich aber nicht daran”, sagt er. Die Dependance in Kuala Lumpur wurde aufgegeben. Der Vertreter dort offenbar nicht vertrauensvoll. Jetzt sitzt das Brandschutzbüro über Partner in internationalen Geschäften. Auch habe er schmerzlich erkennen müssen, dass man sich nicht von einem Partner abhängig machen darf. “Wenn der Hauptkunde über Nacht wegbricht, zeigt das, wie verletzlich wir sind”, sagt er und sein Blick wird nachdenklich. Allerdings besinne man sich dann auch auf andere Stärken und Lösungen, ist sein Resümee und man ahnt, warum Karsten Schalla sich selbst immer als Steh-auf-Männchen gesehen hat. An allem ist eben auch etwas Gutes.

Jetzt hofft er, Zeit zu haben zum Klavierspiel. Das wolle er weiter lernen, sagt der 46-Jährige. Gitarre spiele er ja seit seiner Jugend und dass der große schlanke Mann gut bei Stimme ist, kann man zum Rotarischen Oktoberfest und in München hören. Karsten Schalla kennt einfach alle Lieder.

Einmal in der Woche besucht er seine Mutter in Schmölln. Die beiden haben einen engen Kontakt. Und dann kümmern sich er und seine Leute noch um die Jugendfeuerwehr und den Fußball in der Knopfstadt. Auf einem Bild auf seinem Schreibtisch kann man die E-Junioren der SG Schmölln/Großstöbnitz/Weißbach in Reih und Glied stehen sehen. “Die Trikots haben wir gesponsert”, zeigt er auf das Foto, wohl wissend, dass die Fußball-Kleidung noch einigen Raum bietet für die Knirpse. “Wenn sie rausgewachsen sind, gibts neue”, sagt Karsten Schalla.

Petra Lowe