20.09.2012 | OTZ

Politik und Kulturschaffende im Altenburger Land begrüßen Theater-Einigung

Die Kuh ist für Theater&Philharmonie Thüringen noch nicht vom Eis, wenngleich mit der Zustimmung zu einem neuen Haustarifvertrag ein großer Schritt gegangen wurde. Genau wissen werden wir es vielleicht Ende nächster Woche, wenn die Entscheidungen in den Stadträten Gera, Altenburg und im Kreistag des Altenburger Landes fallen. Denn die müssten einer Erhöhung ihrer Zuschüsse für das Theater zustimmen.

Altenburger Land. Der aktuelle Etat des Theaters liegt bei 16,4 Millionen Euro jährlich. Vom Land kommen mit der 2012 unterzeichneten Finanzierungsvereinbarung jährlich 9,7 Millionen Euro. Und im Frühjahr dieses Jahres wurden weitere 673 000 Euro pro Jahr für eine Nachtragsfinanzierung bereitgestellt. Der Landkreis Altenburger Land trägt 1,7 Millionen Euro an den Kosten des Theaters. Laut Beschluss ist das auch das Ende der Fahnenstange. Alle Bestrebungen, hier die Geldbörse nach oben zu öffnen, schlugen bislang fehl. Die Stadt Altenburg ist mit 900 000 Euro dabei, die Stadt Gera mit 4,1 Millionen Euro. Im Mai waren von Aufsichtsratsvorsitzendem Michael Wolf (SPD) weitere 1,16 Millionen Euro avisiert worden, doch nur, wenn ein Haustarif abgeschlossen wird. Der soll nun zwar kommen, doch abgesegnet ist die Finanzspritze noch nicht. Außerdem würde es nicht bei den 1,16 Millionen Euro bleiben, denn der Haustarifvertrag soll an die Steigerungen des Flächentarifvertrages angepasst werden. Wolf sprach gestern von 17,55 Millionen Euro im nächsten Jahr bis 17,9 Millionen Euro im Jahr 2016.

So sehr die Einigung als Schritt nach vorn von den Verhandlungspartnern im Tarifstreit interpretiert wird, mehr Geld wird gebraucht. Für das Altenburger Land stellt sich die Frage, ob dieser Weg zum Erhalt des Fünf-Sparten-Theaters mitgegangen wird.

Jürgen Ronneburger aus Schmölln, CDU-Kreistagsfraktionschef:

Nur einfach mehr Geld, ohne Strukturen zu ändern, wird mit uns nicht zu machen sein. Wir wissen seit langem, dass das Theater seit Jahren unterfinanziert ist und dies auf Kosten der Mitarbeiter geht. Doch Lösungsvorschläge wurden nicht vorgelegt. Aber um langfristig aus der Finanzmisere zu kommen, muss das Theater über Änderungen nachdenken. Wir als Kommunalpolitiker können schwerlich festlegen, welche Angebote und wo Personal möglicherweise eingespart werden könnte. Und das muss in jeder Sparte überprüft werden. Ich hoffe, Anfang nächster Woche konkretere Informationen zu bekommen. Ich bedaure, dass wir in solch einer Finanzsituation stecken. Aber es kann nicht auf den Rücken aller Mitarbeiter ausgetragen werden, dass man nicht den Mut hat oder auch die Chance nutzt, das Theater langfristig auf gesunde Beine zu stellen. Jeder von uns kann auch nur mit dem haushalten, was er hat.

Frank Tempel aus Zehma, Linke-Kreistagsfraktionschef:

Es ist klar, dass die Entscheidung für einen Haustarifvertrag ein zweischneidiges Schwert ist. Die Einschnitte für die Mitarbeiter sind doch kaum noch hinnehmbar. Dabei meine ich nicht die oberen Gehaltsklassen wie den Intendanten. Für die unteren Gehaltsklassen sind die Einschnitte nicht zumutbar. Dennoch wollen wir alles unternehmen, dass das Fünf-Sparten-Theater erhalten bleibt. Ein Beschluss für mehr Geld für das Theater wird deshalb nicht an unserer Fraktion scheitern. Genaue Zahlen liegen mir noch nicht auf dem Tisch, aber der Grundsatz ist klar: Wir werden alles aufbringen, was möglich ist. Die Kultur ist ein hohes Gut. Wir reden immer über demographische Effekte, doch das stellt auch die Frage, mit welchen Pfunden wir wuchern können. Das Theater ist ein Aushängeschild. Wer soll noch zu uns kommen, wenn diese Aushängeschilde verschwinden. Wir haben keine Wald- oder Seenlandschaft zu bieten.

Hartmut Schubert (SPD) aus Gößnitz, Mitglied des Kreistages:

Wir müssen schauen, dass wir das hinkriegen im Kreistag. Nach so zählebigen Verhandlungen ist jetzt erst mal ein Ziel erreicht. Da sollte der Kreistag nicht den endgültigen Abschluss hindern.

Daniel Scheidel aus Altenburg, FDP-Fraktionschef im Kreistag:

Ich begrüße, dass eine Einigung für einen Haustarifvertrag möglich ist. Freilich, ohne gegenwärtig Details über Vertragsinhalte zu kennen. Ich denke, dass die FDP in der nächsten Kreistagssitzung kommende Woche dem Vertragswerk zustimmen wird. Zumindest werde ich mich bei meinen Parteifreunden in der Fraktion dafür einsetzen. Gelingt das und das Fünf-Sparten-Theater ist dann zumindest für vier weitere Jahre gesichert, ist das für uns allerdings auch eine Frist, über strukturelle Veränderungen innerhalb des Hauses nachzudenken.

Klaus-Peter Liefländer aus Altenburg, Fraktionschef der Regionalen im Kreistag:

Ich bin mir nicht sicher, ob uns ein Haustarifvertrag hilft. Er tut es nicht, wenn darin Vereinbarungen festgeklopft werden, mit denen sich mittelfristig keine Strukturen innerhalb des Theaters verändern lassen. Wenn wir beispielsweise nicht flexibel sein können, was personelle Ausstattung sowie Theaterstruktur angeht, hilft uns ein Haustarifvertrag nicht viel. Für mich ist es die bessere Alternative, lieber vorerst mehr Geld zu zahlen, um mittelfristig Veränderungen treffen zu können innerhalb des Hauses. Dabei denke ich an Veränderungen, die erst in fünf bis zehn Jahren greifen würden. Und je länger man das hinausschiebt, um so problematischer wird das.

Markus Tanger, Kabarettist aus Gößnitz:

Ich finde es gut, dass sich staatliche Stellen um den Erhalt des TPT kümmern, auch wenn das aktuell mal wieder nur mit Hängen und Würgen geglückt scheint. Privat jedoch könnte sich niemand ein solches Mehrspartentheater wie das unsrige leisten. Und es wäre ein schwerer Verlust gerade für unsere recht ländliche und auch provinzielle Region, wenn es das nicht mehr geben würde. Dann müsste man schon bis Leipzig oder Chemnitz fahren für Mehrspartenkunst. Und außerdem: Einen solchen Bildungsauftrag, wie ein solches Theater, kann man privat gar nicht wahrnehmen.

Barbara Grubitzsch aus Altenburg, Chefin der Vereinigung der Theaterfreunde für Altenburg und Umkreis:

Ich sage Ihnen ehrlich: das ist der richtige Schritt in die richtige Richtung. Natürlich mussten alle Seite Kompromisse machen. Das, was dabei herausgekommen ist, ist aber in Ordnung. Mehr ist momentan einfach nicht drin. Ich bin sehr erleichtert und hoffe, dass der Stadtrat in Altenburg sowie die Kreistagsmitglieder dem Abschluss des Haustarifes in der kommenden Woche zustimmen werden. Wir, die Theaterfreunde aus Altenburg und Umgebung, werden vor Ort sein, um Altenburgs Oberbürgermeister sowie der Landrätin jene Unterschriften zu übergeben, die für den Erhalt des Fünf-Sparten-Theaters in Altenburg und Gera gesammelt wurden.

Petra Lowe und Jana Borath