14.07.2012 | OTZ

Geld für Sanierung von Schloss Tannenfeld nicht in Sicht

Rittergüter des Altenburger Landes und ihr Schicksal: Auch das Geld für eine Sanierung von Schloss Tannenfeld ist nicht in Sicht.

Löbichau. Zuletzt diente es als Filmkulisse. Da stand Schloss Tannenfeld noch, bot dem Kameramann das notwendige Flair. Doch lange wird selbst das nicht mehr gehen. “Wenn keine Lösung gefunden wird, dann können wir Tannenfeld in ein paar Jahren nur noch mit der Planierraupe zusammenschieben”, sagt Jürgen Ronneburger, CDU-Kreistagsfraktionschef. Und er steht nicht allein mit seiner Meinung. Auch Löbichaus Bürgermeister Rolf Hermann (FDP) weiß, dass man den Gebäuden beim langsamen Verfall zuschauen kann.

Eigentümer Tannenfelds ist der Landkreis. Ein Besitz, der bislang vor allem kostet und für den keiner einen rechten Nutzen hat. Um das Anwesen zu unterhalten, werden jährlich 50- bis 80 000 Euro benötigt. Weniger wird es nicht, eher könnten künftige Sicherungsmaßnahmen noch ins Kontor schlagen. Auch deshalb drängen Kreisräte zum Verkauf. Doch so einfach ist das nicht.

Das einst so prachtvolle Anwesen mit drei Villen, Schloss und Park preist der Landkreis schon seit acht Jahren an. Auch die letzte Ausschreibung war ein Flop. Dabei hatte man sich gar zur Drittelung des 14,8 Hektar großen Anwesens entschlossen. Eine Zerstückelung, die gerade unter den Kulturbewahrern und dem Förderverein Burg Posterstein, der sich Tannenfeld verpflichtet fühlt, äußerst umstritten ist. Denn Tannenfeld ist nicht nur einfach eine marode Immobile. Es ist ein Kulturgut.

Aber was damit tun? Wenngleich auch für den Landkreis immer ein Konzept für die Nutzung des Gesamtareals im Vordergrund stand, existieren tut es nicht. Das erschwert auch die Käufersuche. Der öffentliche Zugang des Parks und die kulturelle Nutzung des Schlosses für Konzerte oder Austellungen, kurz die Bewahrung der Musenhof-Tradition im Kleinen, lässt manche privaten Investorenpläne nicht gerade reifen. Wer will schon ständig Besucher in seinem Garten? Andererseits wäre es schmerzlich, das historisch wertvolle Areal dem öffentlichen Auge zu entziehen. Letzteres wäre aber der Fall, würde dort ein Standort für Luxuswohnungen entwickelt. Also bliebe nur eine halbwegs öffentliche Nutzung. Einig sind sich fast alle Kreisräte und Beteiligten, dass ambulante und stationäre Pflege oder auch betreutes Wohnen ein gangbarer Weg in die Zukunft wäre. Doch auch hier blieb ein Käufer aus.

Die Überlegung von Klaus-Peter Liefländer, Kreistagsfraktionschef der Regionalen, das Anwesen einem Verein oder der Gemeinde Löbichau zu geben, scheidet nach Lage der Finanzen aus. Trotz möglicher, wenngleich immer weniger wahrscheinlicher Fördermittel viele Millionen Euro in die Sanierung zu stecken, ist für diese Seiten wie auch für den Landkreis nicht machbar. Daniel Scheidel, FDP-Fraktionschef, hofft auf einen letzten Verkaufsversuch mit Immobilienmakler auf Provisionsbasis. Die Skepsis allerdings ist groß, dass der es schaffen könnte. Selbst eine hiesige Bank hatte nach Lage der Dinge abgesehen von einem größeren Engagement.

Und inzwischen dürfte auch klar sein, dass man ebenso neue Wege einer Trägerschaft beschreiten sollte. Die könnte durchaus ein Verein übernehmen, verweist Ronneburger auf gute Erfahrungen auf Burg Posterstein oder mit der Betreibung des Mauritianums. Dass nicht alles gleich auf einmal geht, betont Frank Tempel , Fraktionschef der Linken. Wie im Quellenhof in Garbisdorf müsste es Stück für Stück gehen mit dem Geld, der Sanierung und der Belebung der einzelnen Teile des Areals. Spenden, auch eine länderübergreifende Stiftung, könnten Geldquelle sein. Auch Löbichaus Bürgermeister wäre froh, wenn schon mal jemand in Tannenfeld beginnen würde. “Am Ende müssen wir Geld generieren, egal durch welchen Partner. Den heutigen baulichen Zustand kann man keinem Verein überlassen”, bringt Ronneburger die Sorge um das kreiseigene Eigentum auf den Punkt. Der Förderverein Burg Posterstein hat nun eine Bürgergenossenschaft ins Gespräch gebracht, an der sich neben Bürgern und lokalen Firmen auch kreiseigene Gesellschaften oder Banken beteiligen könnten. Schrittweise könnten durch dort aufgebrachtes Geld verschiedene Wohnformen und ein nachhaltiges Energiekonzept entwickelt werden, sagt Klaus Hofmann, Museumsdirektor und Vorstandsmitglied des Fördervereins. Dadurch könnten Alters-Wohngemeinschaften in den Villen entstehen, die auch eine entsprechende Infrastruktur bräuchten, wie Friseur und ähnliches. Schließlich liegt Tannenfeld in einiger Entfernung von städtischem Leben. Bliebe das Schloss zur kulturellen Nutzung. Der Förderverein böte sich dafür an.

Gedacht ist viel, angefasst weniger. Deshalb hat sich der Förderverein nun an die Kreistagsmitglieder gewandt. Die SPD-Fraktion hat es auch schon zum vor Ort Termin geschafft. Mancher wisse gar nicht, welches Kleinod hier stehe, sagt Hofmann. Andere Fraktionen haben sich angemeldet. SPD-Fraktionschef Dirk Schwerd war beeindruckt von Tannenfeld und hat nun einen Ideenwettbewerb unter Studenten angeregt. Der Kreistag muss das entscheiden. Neue Blickrichtungen aber wären gut, denn man sprüht nicht vor Ideen für die verfahrene Situation. Und der Verfall drängt.

Petra Lowe