08.03.2013 | OVZ

Schließung der Ponitzer Grundschule abgelehnt

Kreistag legt auch Veto gegen Gemeinschaftsschule Nöbdenitz ein

Altenburg. Die von Landrätin Michaele Sojka (49, Linke) vorgesehene Schließung der Grundschule Ponitz ist vom Kreistag am Mittwoch abgelehnt worden, ebenso wie die vorgesehene Umwandlung der Regelschule Nöbdenitz in eine Gemeinschaftsschule. 25 Kreisräte stimmten dagegen, drei dafür, 13 enthielten sich. Nun soll über das Schicksal der beiden Bildungseinrichtungen in einer überarbeiteten Schulnetzplanung entschieden werden, die bis Ende des Jahres erstellt werden soll.

Von Jens Rosenkranz

Mit Transparenten, Sprechchören, Trillerpeifen und Trommeln hatten Ponitzer Grundschüler, Lehrer und Eltern vor der Kreistagssitzung für den Erhalt ihrer Einrichtung geworben (OVZ berichtete). Als die Sitzung begann, nahmen einige von ihnen auch auf den Zuschauerstühlen Platz oder lugten durch die offenen Fenster in den Sitzungssaal. Doch erst nach vier Stunden Wartzeit konnten sie aufatmen.

Ganz im Gegenteil zur weit kleineren Abordnung aus Nöbdenitz, die sich Hoffnung auf den Status einer Gemeinschaftsschule machte. Diese wurde jäh zerstört. “Das ist für mich echt nicht nachvollziehbar, wie hier Politik gemacht wird”, ärgerte sich hinterher eine Mutti, die in der Elternvertretung mitarbeitet.

Mit der Schließung der Grundschule Ponitz zum 31. Juli wollte Sojka auf die sinkenden Schülerzahlen reagieren und die Auslastung der nur vier Kilometer entfernten Grundschule Gößnitz verbessern. Dort würden sich für die Ponitzer ebenso die Bedingungen für den Sportunterricht verbessern. An den Bustransport haben sich ohnehin bereits viele Kinder aus der Ponitzer Region gewöhnt.

Die Mehrheit der Kreisräte sah dies anders. Sie wollte, dass die beiden Standorte Ponitz und Nöbdenitz in ein Gesamtkonzept für den Kreis und die jeweiligen Regionen eingebunden werden. Bei einer möglichen Entscheidung für eine Gemeinschaftsschule Nöbdenitz sollen insbesondere die Auswirkungen auf die umliegenden Grundschulen in Thonhausen und Großstechau gründlich untersucht werden, macht doch eine solche Bildungsstätte ohne Grundschüler kaum Sinn. Aus der Schulnetz-Planung herausgelöste Einzellösungen mit weit reichenden Konsequenzen soll es nicht geben, hieß es. Die Verschiebung habe rein gar nichts damit zu tun, dass man sich vor einer möglichen Schließung, auch angesichts der Proteste, drücke, sagte FDP-Fraktionschef Daniel Scheidel (53) der OVZ.

Die Schulnetzplanung, so sah es ein von der SPD am Mittwoch eingebrachter Änderungsantrag vor, soll nun bis Jahresende überarbeitet und von der Landrätin erneut vorgelegt werden. Sojka hatte eigentlich beantragt, dass das alte und seit 2006 beschlossene Konzept bis Ende Juli 2014 weiter gilt. Dies war ebenso abgelehnt worden.

Die Landrätin zeigte sich davon nicht überrascht, weil sich dies im Vorfeld angedeutet habe, sagte sie der OVZ. Da das Land keine klaren Kriterien für die Schulnetzplanung vorlegt, werde sie solche Prämissen selbst erarbeiten und vom Schulausschuss bestätigen lassen. Sie glaube aber nicht, dass sich an der Situation, beispielsweise für Ponitz, etwas ändere. Den Gegnern ihrer Vorlage warf sie deswegen vor, vor den Realitäten davon zulaufen. “Man macht Ponitz Hoffnung, obwohl jedem klar ist, dass diese Schule keine Perspektive hat. Das ist unehrlich”, sagte die Landrätin.

Kommentar

Getöse mit wenig Vernunft

Von Jörg Reuter

Die Ponitzer haben gewonnen. Die Schließung ihrer Grundschule ist erst einmal vom Tisch. Doch der vermeintliche Sieg hat einen bitteren Beigeschmack. Denn in der gleichen Sitzung haben die Kreisräte vehement für einen harten Sparkurs gestritten. Hunderttausende Euro soll der Landkreis weniger ausgeben. Selbst die Ausbildung junger Leute soll dafür geopfert werden.

Eine Schulschließung ist nicht schön. Doch die Grundschule in Ponitz ist kein Kleinod. Wenn sie weiter bestehen soll, muss saniert werden. Zuallererst im Sanitärbereich. Und das kostet Geld. Geld, das nicht da ist und woanders eingespart werden muss. Hier entsteht der Eindruck, dass die Vernunft auf der Strecke bleibt und dass einige Kreisräte alles mögliche fordern, Hauptsache es klingt gut. Auf der einen Seite wollen sie Einsparungen. Doch wenn es konkret wird, den Rotstift sinnvoll anzusetzen, wie bei der Ponitzer Schule, dann sagen sie genauso laut: stopp.

Das alles klingt ziemlich populistisch und es rettet die Grundschule am Ende trotzdem nicht.