08.03.2013 | OVZ

Abakus statt neuer Computer?

CDU, SPD und FDP ernten für Etat-Kürzungen neben Kritik auch Spott und Hohn

Altenburg (jr). Ein Abakus ist ein mehr als 3000 Jahre altes einfaches mechanisches Rechenhilfsmittel. Es enthält meist Kugeln oder Steine, die auf Stäben aufgefädelt oder in Rillen oder Schlitzen geführt werden. Zwei solcher Geräte standen am Mittwoch zur Kreistagssitzung auf dem Tisch von Landrätin Michaele Sojka (Linke). Die ziemlich neu wirkenden Kugel-Stäbe sollten ironische Hiebe gegen die Kürzungs-Pläne von CDU, SPD und FDP sein. Denn die drei Kreistagsfraktionen streichen dem Landratsamt in diesem Jahr allein 50 000 Euro für die Anschaffung neuer Computertechnik. Ohne diese, so der feine Spott von Sojka, müssten ihre Beamten wohl oder übel zum alten Abakus greifen.

Auch der Fraktionschef der Regionalen, Klaus Peter Liefländer (50), griff dieses Bild auf und reagierte mit Ironie und Sarkasmus auf die Streichliste der drei Fraktionen. Er ermunterte Union, Sozial- und Freie Demokraten, den Behörden-Mitarbeitern nur noch einfache Taschenrechner statt Computer auszuteilen. Auch könnten den Beamten doch gleich Fahrräder anstelle von Dienstfahrzeugen zur Verfügung gestellt werden. Womöglich sollten CDU, SPD und FDP die Kürzungen richtig ausweiten und sämtliche kulturelle Einrichtungen und den Flugplatz schließen und als Konsequenz auch den Kreistag abschaffen, kam der Fraktionschef nun richtig in Fahrt und erntete erste lautstarke Zwischenrufe aus den Reihen derer, die er aufs Korn nahm.

CDU, SPD und FDP streichen die Ausgaben für eine externe Haushalts-Optimierung, würden danach aber als Erste die Zahlen der Verwaltung in Zweifel ziehen”, erntete Liefländer die ersten Lacher. Als Koalitionäre in der Landesregierung würden CDU und SPD eine neue Stelle für einen Vizechef des Landesverwaltungsamtes Weimar schaffen, mit einem Monatsgehalt von über 7000 Euro. Im Altenburger Land streicht man dafür das Geld für die Ausbildung junger Leute im Landratsamt, wurde Liefländer nun richtig bissig.

“Die Regionalen machen weiter nichts als Comedy”, ärgerte sich darüber SPD-Fraktionschef Dirk Schwerd (37) über diese Vorwürfe. Sie konterkarieren mit dem Rasenmäher-Vorwurf die ernsthaften Bemühungen, den Haushalt einigermaßen in den Griff zu bekommen, sagte Schwerd. Es sei extrem billig und unredlich, dem Land Prasserei und ungenügende eigene Sparanstrengungen vorzuwerfen, schimpfte Sozialstaatssekretär Hartmut Schubert (53, SPD). Denn das Land streiche gleichfalls Stellen. Die gut dotierte Stelle eines neuen Vize-Präsidenten des Landesverwaltungsamts war allerdings auch dem CDU-Kreischef Uwe Melzer (52) bekannt. Er wusste aber von Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU), dass dieser Posten schnell wieder gestrichen werden soll.