11.03.2013 | OVZ

Kreistag ist Kandidat für “Goldenen Koffer”

Verdi-Jugend, Personalrat und Azubi-Vertretung kritisieren Ausbildungsstopp im Landratsamt

Altenburg. Nach Ansicht der Jugendorganisation der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi bewirbt sich der Kreistag mit seinem beschlossenen Ausbildungsstopp um den “Goldenen Koffer”. Mit diesem Negativpreis nimmt die Gewerkschaftsjugend schlechte Übernahme-Chancen von Auszubildenden in Dienstleistungsunternehmen in ganz Mitteldeutschland aufs Korn.

Von Jens Rosenkranz

Im Falle des Landratsamtes könnte mit dem Negativpreis nun der Wegfall von sieben Ausbildungsstellen in diesem Jahr angeprangert werden. Nach einem am Mittwoch beschlossenen Änderungsantrag von CDU, SPD und FDP wird das dafür vorgesehene Geld, rund 46 500 Euro, dafür aus dem Haushalt gestrichen (OVZ berichtete). Die Kürzung dient dazu, die durch Städte und Gemeinden aufzubringende Kreisumlage nicht in der geplanten Höhe anwachsen zu lassen.

Die Gewerkschaftsjugend von Verdi hatte im vergangenen Jahr dem Klinikum Altenburger Land den “Goldener Koffer” verliehen. Wer ihn in diesem Jahr erhält, steht noch nicht fest. “Diesmal legt der Kreistag mit der Haushaltsplanung den Grundstein für eine weitere öffentliche Schelte”, erklärte Verdi-Jugendsekretär Daniel Herold. Es sei untragbar, dass die Vertreter im Kreistag mit Leichtigkeit die Zukunft für junge Menschen in der Region verbauen und zeitgleich das entstehende Defizit an gut ausgebildetem Personal in der Landkreisverwaltung vergrößern. “Ich bin nicht überzeugt, dass eine solche Kürzung im Verhältnis zum Gesamthaushalt irgendeine Verbesserung darstellt. Vor allem dann nicht, wenn man die Folgekosten bedenkt, um später das Personaldefizit mit qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auszugleichen”, sagte Herold. Die sieben gestrichenen Ausbildungsplätze seien dringend notwendig, um eine hochwertige Dienstleistung als öffentliche Verwaltung anzubieten. “Bereits jetzt ist absehbar, dass die bisherigen Ausbildungsquoten nicht ausreichen werden, um die freiwerdenden Stellen wieder zu besetzen. Damit sind nicht nur junge Menschen gezwungen, für eine gute Ausbildung die Region zu verlassen, sondern auch die Kolleginnen und Kollegen durch zunehmende Arbeitsverdichtung innerhalb der Behörde gefährdet.”

Kritik am Ausbildungsstopp kommt auch vom Personalrat sowie der Jugend- und Auszubildendenvertretung des Landratsamtes. Gemessen am Bedarf des Personalabgangs der kommenden Jahre ist die Zahl der vorgesehenen Ausbildungsstellen bereits jetzt unangemessen niedrig, heißt es in einer gemeinsamen Presseerklärung von Personalrat und Azubi-Vertretung. “Die Nachbesetzung der freiwerdenden Stellen durch qualifiziertes Personal ist aus unserer Sicht in vielen Fällen unerlässlich, um die Arbeitsfähigkeit der Verwaltung aufrechtzuerhalten und die Überlastung von Mitarbeitern zu verhindern”, heißt es.

Wer eine arbeitsfähige Verwaltung will, muss zwingend in den Nachwuchs investieren. Daneben habe das Landratsamt als größter Arbeitgeber der Region eine Vorbildfunktion. Denn wenn selbst diese Behörde nicht mehr ausbildet, stellen sich die Fragen, wie der vorhandene Fachkräftebedarf gedeckt und die Abwanderung der Jugend gestoppt werden sollen. Die Ausbildungskosten sollten nicht als Ausgaben, sondern als Investition in die Zukunft gesehen werden, heißt es. Denn wer einen sicheren Arbeitsplatz im Landkreis hat, wird hier auch seinen Wohnsitz behalten.