20.03.2013 | OVZ

Weiter Streit um Ausbildungsstopp

Altenburg. Die Debatte um den von CDU, SPD und FDP durchgesetzten Ausbildungsstopp im Landratsamt schlägt weiter Wellen. Die Liberalen haben die Vorwürfe der Verdi-Jugend wegen des Kreistagsbeschlusses und die Androhung des Negativ-Preises „Goldener Koffer“ zurückgewiesen und selbst Kritik an der Politik von Verdi geübt. Mit Entsetzen hat nun auch die Kommunalgewerkschaft für Beamte und Arbeitnehmer auf die Streichung der Gelder in der Kreisverwaltung reagiert.

Gerangel um “Goldenen Koffer”

Kommunalgewerkschaft fordert Rücknahme des Ausbildungsstopps im Landratsamt / Liberale kritisieren Tarifpolitik von Verdi

Altenburg. Die Debatte um den von CDU, SPD und FDP durchgesetzten Ausbildungsstopp im Landratsamt schlägt weiter hohe Wellen. Die Liberalen haben die Vorwürfe der Verdi-Jugend wegen des Kreistagsbeschlusses und die Androhung des Negativ-Preises „Goldener Koffer“ zurückgewiesen und selbst Kritik an der Politik von Verdi geübt. Mit Entsetzen hat aber auch die Kommunalgewerkschaft auf die Streichung der Gelder für sieben Azubi-Stellen in der Kreisverwaltung reagiert.

Von Jens Rosenkranz

FDP Kreisvorsitzender Daniel Scheidel (53) stört sich speziell an der Bemerkung von Verdi-Jugendsekretär Daniel Herold, dass die Kreistagsmitglieder den Ausbildungsstopp mit Leichtigkeit beschlossen hätten. „Wie kann Herr Herold so etwas behaupten, wenn er gar nicht dabei war, als das Thema diskutiert und beschlossen wurde?“, wird Scheidel in einer Presseerklärung der Liberalen zitiert. Ansonsten wüsste Herold nämlich, dass die Liberalen diesen Teil des CDU-SPD-FDP-Änderungsantrages, der ausschließlich für dieses Jahr gilt, nur schweren Herzens mitgetragen haben, ärgert sich Scheidel. Im Gegenzug schlägt der FDP-Kreischef die Gewerkschaft Verdi selbst als Kandidaten für den „Goldenen Koffer“ vor. „Wer wie Verdi auf unsinnigen Klauseln wie die der Übernahme für mindestens ein Jahr nach bestandener Abschlussprüfung in Ausbildungs-Tarifverträgen besteht, darf sich nicht wundern, wenn sich die Unternehmen beim Angebot von Ausbildungsplätzen zurückhalten.“ Diese Botschaft von Verdi vermittele den Azubis, dass sie auf jeden Fall übernommen werden, egal mit welcher Leistung. „Mit dieser Politik tritt Verdi sämtliche Leistungsanreize mit Füßen und verhindert Ausbildungsplätze“, erklärt Scheidel.

Er weist des Weiteren Herolds Behauptung zurück, wonach die Kreistagsentscheidung die Zukunft für junge Menschen in der Region verbauen würde. Die Zahl der Ausbildungsplätze im öffentlichen Bereich und in der Privatwirtschaft sei größer als die Zahl der Bewerber. Dieser günstige Überhang werde sich in Zukunft noch weiter verstärken, weshalb niemand gezwungen sei, für eine gute Ausbildung die Region zu verlassen, meint Scheidel.

Scharfe Kritik an den Kürzungsplänen von CDU, SPD und FDP im Kreishaushalt 2013 kommt aber auch vom Kreisverband der Kommunalgewerkschaft für Beamte und Arbeitnehmer (Komba-Gewerkschaft Thüringen). Durch den Wegfall von sieben Ausbildungsplätzen für das Ausbildungsjahr 2013 würden 35 000 Euro an Personalkosten eingespart. Dieses Einsparpotenzial erscheine, gemessen an 23 Millionen Euro für Personalausgaben, nur als ein Tropfen auf den heißen Stein, heißt es in der Erklärung von Komba. „Das Altenburger Land ist geprägt von einer hohen Abwanderungsrate. Die öffentliche Hand sollte ein Interesse daran haben, jungen Menschen eine Perspektive zu ermöglichen und diese im Landkreis auf Dauer zu halten“, erklärt Komba-Kreisvorsitzende Carina Gatzlaff.„Wer nicht ausbildet, sägt sich selber ab – ohne Ausbildung keine Zukunft“, meint auch der Jugendbeauftragte Marcel Schmidt. Komba appelliert daher eindringlich an alle Kreistagsmitglieder, den Ausbildungsstopp zu überdenken und jungen Menschen im Landkreis eine berufliche
und familiäre Zukunft zu bieten.