29.04.2013 | OTZ

Das einzige Bioenergiedorf

Göllnitz erzeugt Wasser und Strom, entsorgt Abwasser und versorgt seine Einwohner nun auch mit Wärme.

Göllnitz. Nicht reden, machen. Nach dieser Devise ist Hans-Jürgen Heitsch (FDP) schon seit Jahrzehnten Bürgermeister von Göllnitz. Und nur mit diesem Leitspruch, so der Bürgermeister, schafft man etwas.

Göllnitz hat bereits ein eigenes Wasserwerk. Es gibt ein Klärwerk und eine Biogasanlage. Bald ist wieder etwas geschafft. In Göllnitz und Zschöpperitz wird ein Nahwärmenetz entstehen. Der Leiter des Amtes für Landentwicklung und Flurneuordnung Gera, Jens Lüdtke, überreichte gestern dazu einen Förderbescheid über rund 952 000 Euro aus Bundesmitteln.

Die Wärme wird in den Blockheizkraftwerken in Zschöpperitz und Göllnitz bereits jetzt erzeugt. Doch bislang ist sie ein Nebenprodukt und nicht genutzt. Damit sich das ändert, werden nun 5200 Meter Leitungen verlegt. Durch sie gelangt heißes Wasser mit am Ende etwa 55 Grad in die Haushalte. Der Bau soll Anfang Juli beginnen und Ende Oktober abgeschlossen sein. Insgesamt kostet die Realisierung des Projektes mit Leitungen und Installationen an den Heizkraftwerken etwa zwei Millionen Euro. Für die Differenz nimmt die Kommune einen Kredit über 600 000 Euro auf. Der Rest kommt aus den Anschlussgebühren, die Haushalte und Unternehmen zahlen müssen, wenn sie die Nahwärme beziehen wollen. Außerdem beteiligen sich die Biogaslandwirte an den Ausgaben. Bürgermeister Heitsch rechnet damit, dass der Kredit der Gemeinde in 15 bis 20 Jahren zurückgezahlt sein wird. Insgesamt, sagt Heitsch, werde der Ort bis 2014 rund fünf Millionen Euro in die Erzeugung erneuerbarer Energien gesteckt haben. Insgesamt werden 65 Haushalte und Unternehmen an das Wärmenetz angeschlossen. Das seien 80 Prozent aller Haushalte. Der Bürgermeister geht davon aus, dass der Anteil noch steigt. Wenngleich für einen Privathaushalt 5000 Euro einmalige Anschlusskosten anfallen, spare man in einem Einfamilienhaus jährlich 800 Euro. Ganz Göllnitz, so haben die Experten ausgerechnet, braucht damit jährlich etwa 280 000 Liter Heizöl weniger.

Das Projekt, so Jens Lüdtke, sei in dieser Größenordnung einmalig im Gebiet seines Amtes. Er lobte zudem die “hervorragende Zusammenarbeit” aller beteiligten Instanzen. Lob kommt auch von Landrätin Michaele Sojka (Linke). Die Zukunft der erneuerbaren Energien sei dezentral und dabei sei das Altenburger Land schon jetzt weit vorn. Einen Ausfall der Wärmeversorgung durch Engpässe bei der Erzeugung von Biogas brauchen die Göllnitzer nicht zu befürchten, sagt Ulf-Henning Palmer, Geschäftsführer der zuständigen Planungsfirma Produr mit Sitz in Elstra. Denn Wärmeerzeuger, die mit Öl oder Methan betrieben werden können, werden in die Heizkraftwerke eingebaut. Sie sollen zur Not genutzt werden, so Palmer. Das werde aber nicht häufig passieren.