06.06.2013 | OVZ

Viel Dank, aber keine Zahlen

Kreistag billigt 400 000 Euro als Kosten des Katstrophen-Alarms / Schadenskommission beginnt Arbeit

Altenburg. Einstimmig hat der Kreistag am Abend 400 000 Euro außerplanmäßige Ausgaben gebilligt. Die Kosten für den zweieinhalb Tage dauernden Katastrophenfall sind die ersten auf der Rechnung, die die Flut 2013 im Altenburger Land verursacht hat. Weit höhere Posten werden in den nächsten Wochen folgen.

Von Günter Neumann

“Es gab keine Toten und keine uns bekannt gewordenen Verletzten. Niemand musste hungern, die Evakuierungen haben vorbildlich geklappt. Und es war wohl auch etwas Glück, dass die Katastrophe am Sonntag begann, wo die meisten zu Hause waren.” Landrätin Michaele Sojka (Linke) kam gestern im Kreistag ohne dramatische Zahlenkolonnen von Millionenschäden aus – es gibt sie auch noch gar nicht. Die Schadenskommission des Landratsamtes beginnt gerade ihre Arbeit.

Lediglich die Kosten des Katastrophenfalls hatte sie als Dringlichkeitsbeschluss zusätzlich auf die Tagesordnung des ohnehin geplanten Kreistages gesetzt. Und selbst diese 400 000 Euro sind geschätzt. Sicher sind nur die 50 000 Euro Eigenanteil für den Kreis, den Großteil der Ausgaben hofft Sojka, sich später aus dem Katastrophenschutzfonds des Landes zurückzuholen.

Stattdessen nutzte die Landrätin die Gelegenheit für ein großes Dankeschön an die ungezählten Helfer aus den Freiwilligen Feuerwehren und dem Technischen Hilfswerk, von Rotem Kreuz, Bundeswehr und Polizei. Sie würdigte die Arbeit der Bürgermeister und Verwaltungen vor Ort, die Unterstützung von Energieversorgung und Firmen. Vor allem dankte Sojka den Bürgern, die überall spontan mit zupackten. Und sie nannte einen Namen: Ronny Thieme, Fachbereichsleiter für Ordnung und Sicherheit im Landratsamt, der wie schon zur Flut 2002 den Katastrophenschutzstab reibungslos funktionieren ließ.

Den Tenor der anschließenden Debatte hatte zuvor schon der Gößnitzer Bürgermeister Wolfgang Scholz vorgegeben, der für die SPD im Kreistag sitzt. Der Rathaus-Chef der auch diesmal wieder besonders hart getroffenen Stadt pfiff auf Tagesordnung und Geschäftsordnung, um seinem Herzen am Mikrofon Luft machen zu können: “Was hier geleistet wurde, war hervorragend”, zollte er der Führung durch Katastrophenschutz-Stab und Landratsamt höchste Anerkennung. Und machte angesichts zerstörter Existenzen von Bäckern, Fleischern, Optikern und Blumenhändlern in seiner Stadt genauso unmissverständlich seine Forderungen auf: “Ich hoffe, das Land weiß, dass wir alle Bürger Thüringens sind.”

Erste Hilfen für Sportanlagen in Gößnitz, Nobitz und Windischleuba stellte Hartmut Schubert in Aussicht, der Gößnitzer Kreistagsabgeordnete sitzt als Staatssekretär im Erfurter Sozialministerium an der Informationsquelle. Doch er stellte auch klar: “Wir werden Jahre brauchen.”

Auch Abgeordnete aller anderen Parteien würdigten die Arbeit der Helfer. Leise Kritik kam nur von CDU und FDP, die monierten, der Katastrophenfall hätte schon Sonntag und nicht erst Montagfrüh ausgerufen werden sollen.