20.07.2013 | OTZ

Meine Woche

Petra Lowe über ein Amtsjahr von Landrätin Sojka und vertane Chancen

Es war ein Sieg. Kein triumphaler, dennoch ein Sieg. Einer mit einem faden Beigeschmack, dennoch ein Sieg. Und es ist vielleicht der erste Sieg von Landrätin Michaele Sojka seit ihrem Amtsantritt vor einem Jahr gegenüber dem Kreistag. Dass Siegen etwas mit Kampf zu tun hat, ist klar. Dass sich dieser Kampf zwischen Landrätin und Kreistag abspielt, ist traurig.

Dabei stand das gemeinsame Gestalten groß auf der Fahne der damaligen Bewerberin für den Wahlbeamtenjob. Doch es kam anders. Zunächst mit dem Vorpreschen zum Schulnetzplan. Die Veröffentlichung war zwar einer begrüßenswerten Transparenz geschuldet, doch das Gutgemeinte schlug fehl, schlug gar um in Verärgerung der Betroffenen. Ein Vertrauensbonus war verspielt, der sich aus der Wahl einer Linken mit Schulerfahrung nährte. Kein erkennbarer Weg, keine Gespräche vor Ort im Vorfeld. Und was damals noch vorsichtig geäußert wurde, ist jetzt laut zu hören: Landschulschließung.

Dann der Haushalt. Nur ein Wunschkonzert über ein Mehr von über zwei Millionen Euro war der erste Entwurf, mehr nicht. Und auch im zweiten Entwurf fehlte die Handschrift der Neuen, die zeigt wohin mit wenig Geld. Im Gegenteil, SPD, FDP und CDU nahmen das Papier auseinander und legten es neu zusammen – sicher die schmerzlichste Niederlage.

Möglicherweise hätte manch anderer sich jetzt hingesetzt und nach künftigen Möglichkeiten gesucht, dem Weg des Landkreises seinen Stempel aufzudrücken. Nicht so die Landrätin, dabei wäre das spannend gewesen. Doch sie lässt die Chance der langfristigen Haushaltsoptimierung verstreichen, die möglicherweise Sojkasche Ansätze sichtbar gemacht hätte. Wenn-gleich das Spekulation ist. Wir wissen es nicht. Die Sache wird jetzt trotz aller Beteuerungen auf den Tisch eines Fremden gelegt. Nicht mal ihre als Geheimwaffe gehandelte Neueinstellung – der von SPD-Seite gepriesene Verwaltungsexperte und in Erfurt eher mit Stirnrunzeln bewertetet Frank Schmitt – darfs richten. Dass der externe Berater grundsätzlich neue Ideen bringt, ist Augenwischerei. Die Schwachstellen sind vielen bekannt, nur nicht alle halten die Finger in die Wunde. Im Ring wird nicht miteinander geredet, da gilt nur der Schlagabtausch. Und die Fronten im Kreistag sind verhärtet. Schade für uns.

Petra Lowe