08.08.2013 | OVZ

Größer, höher, öfter – an Laternen ist schon Wahlkampf

FDP rügt per offenem Brief an OB Michael Wolf die Bilder-Offensive des SPD-Bundestagskandidaten Nikolaus Dorsch

Altenburg. Der Wahlkampf hat – erstaunlich genug – noch gar nicht richtig begonnen, da gibt's schon den ersten Zoff. Zwar nur im Altenburger Land und auch nicht etwa um Euro-Rettung, NSA-Bespitzelung, Drohnenaffäre, Subventionen, Kitaplätze, Kulturförderung oder sonst irgendein inhaltliches Thema. Nein, nur um die Plakatgröße der Konkurrenz. Aber immerhin.

Weil der SPD-Direktkandidat im Wahlkreis Greiz/Altenburger Land, Nikolaus Dorsch, am Wochenende “mit einer hinsichtlich Größe und Anzahl der Plakate bemerkenswerten Plakatierung zur Bundestagswahl in der Stadt begonnen” hat, schrieb FDP-Chef Daniel Scheidel – selbst Bundestags-Direktkandidat – einen geharnischten Brief an Altenburgs Oberbürgermeister Michael Wolf (SPD). Und damit jeder den Wahlkampf live miterleben kann, gleich als offenen Brief.

Vom Rathauschef will der FDP-Mann nun öffentlichkeitswirksam wissen, ob er es fürs Stadtbild zuträglich halte, wenn die übrigen sieben Kandidaten dem SPD-Vorbild folgend im gleichen Ausmaß, also in der bisher nicht üblichen Größe DIN A 0, die Stadt zuplakatieren würden?

Außerdem soll Wolf erklären, ob er es für richtig hält, dass Dorsch – der übrigens auch Chef der SPD-Stadtratsfraktion und damit wichtigste politische Stütze des OB ist – auch an den historischen Beleuchtungsmasten und Geländern im Stadtzentrum Plakate anbrachte. Weitere Kritikpunkte der Liberalen sind die Plakatierung unmittelbar an Bushaltestellen, beispielsweise in der Zwickauer Straße, und direkt vor Schulen, wie an der Berufsschule für Wirtschaft und Soziales. “Völlig inakzeptabel ist sicher das Verdecken von Ampeln”, rügt die FDP und hat auch dafür ein Exempel: “Die linke Fußgängerampel in der Wallstraße ist zumindest für Transporter- und LKW-Fahrer nicht mehr sichtbar.”

Angesichts solcher Sittenlosigkeit appellierte Scheidel: “Wir würden es sehr begrüßen, wenn wir zumindest in Altenburg wieder zu dem bisher Üblichen zurückkehren könnten, um das Stadtbild nicht über das vertretbare Maß hinaus zu beeinträchtigen und um die Wahlmüdigkeit der Bevölkerung nicht noch weiter zu befördern.”

Dorschs andere Konkurrenten haben die Plakatierungs-Offensive zwar ebenfalls bemerkt, reagieren aber offensichtlich entspannter. Nämlich bis jetzt gar nicht.

Frank Tempel, Bundestagsabgeordneter der Linken und am 22. September erneut Direktkandidat im Wahlkreis, grinste nur. “Wenn das alle acht Kandidaten so machen würden, müssten wir in Altenburg wohl schnell noch ein paar neue Laternen aufstellen”, witzelte er gestern beim Wegräumen seines Infostandes auf dem Altenburger Markt. Er werde sich jedenfalls nicht in Hektik versetzen lassen und seine Plakate streng nach Plan hängen. Fix und fertig sind sie längst, so Tempel.

Günter Neumann