23.08.2013 | OTZ

Respekt vor der Konkurrenz

Daniel Scheidel, FDP-Direktkandidat vorgestellt

Direktkandidaten des Wahlkreises 195 Altenburger Land/Landkreis Greiz für die Bundestagswahl vorgestellt

Schmölln. Er mag den kleinen Park am Hotel “Bellevue” auf dem Schmöllner Pfefferberg. Und er mag den Blick von dort oben, der bei schönem Wetter weit über die Stadt reichen kann. Wohl die wenigsten wissen, dass Daniel Scheidel in Schmölln lebte. Zwei Jahre lang bis 2004. Nachdem er von Buenos Aires zurückgekehrt war nach Deutschland, weil sein Vater schwer erkrankt war. Und bevor er der Liebe wegen nach Altenburg umzog, wo er als Wirtschaftsförderer der Stadt arbeitete.

Selbst Herbert Köhler, damaliger Bürgermeister der Knopfstadt, überraschte es, als sich Daniel Scheidel bei ihm vorstellte – als Bürger Schmöllns und als Wirtschaftsförderer der Kreisstadt. “In Sachen Wirtschaft hat Schmölln den besseren Job als Altenburg gemacht. Die Verwaltungsspitze war einfach top.” Das gibt Scheidel gern und neidlos zu. Noch heute. Selbst wenn man das in Altenburg nicht gerne hören mag.

Daniel Scheidel spricht oft aus, was er denkt. Womit er nicht selten provoziert. Beispielsweise als Chef der FDP Kreistagsfraktion. Oder sich nicht eben beliebt macht. Beispielsweise bei den Wahlkampfstrategen in der FDP Bundeszentrale. “In der Praxis und lebt man im Altenburger Land passt nicht alles aus dem Parteiprogramm”, sagt er. Beispielsweise die Auseinandersetzung der FDP mit dem Grünen-Vorschlag, Jahreseinkommen ab über 60.000 Euro künftig stärker zu besteuern. Das, so meint er, mag in München ein Aufreger sein. Aber im Altenburger Land? “Hier lassen sich solche Einkommenshöhen eher in Promille messen statt in Prozent”, sagt der Bankkaufmann und Diplom-Volkswirt, der seit 1990 für dreizehn Jahre auf internationalem Parkett unterwegs und zu Hause war. In Madrid, Lima oder Buenos Aires als Assistent in der Auslandsabteilung einer Bank oder als Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammern sowohl in Peru als auch Argentinien.

Danach nahtloser Wechsel nach Schmölln mit Arbeitsplatz in Altenburg. Ein Kulturschock? “Ein bisschen”, gibt der 54-Jährige heute zu und lacht. Aber mehr noch die persönliche Herausforderung, deutsch-deutsches Zusammenleben hautnah zu erfahren, weil die 90er Jahre mit der Wiedervereinigung an Daniel Scheidel eher vorbeigingen, da er zumeist im Ausland war. Mit gehörigem Abstand beobachtete er damals die Entwicklung in seinem Heimatland in all ihren Facetten. Genau erinnert er sich beispielsweise noch heute, wie er die ausländerfeindlichen Krawalle, Übergriffe und Brandanschläge in Mölln, Rostock, Solingen und Hoyerswerda Anfang der 1990er Jahre am Bildschirm verfolgte. “Ich lebte damals in Spanien, saß dort in meiner Wohnung und fragte mich manchmal, was ich tun würde, wenn jetzt die Spanier vor meinem Haus stehen würden, um es anzuzünden”, erzählt Scheidel.

Doch neben Großstadtrummel mit all seinen Möglichkeiten und Chancen sammelte auch er in den südamerikanischen Metropolen Erfahrungen, die er nicht mag. Hauseinbrüche, Autodiebstahl, Kurzentführung mit Körperverletzung. Nein, er vermisst das Großstadtleben nicht wirklich hier im östlichsten Zipfel des Freistaates Thüringen. Fällt ihm die Decke auf den Kopf, besucht er Zwickau, Jena oder Leipzig. Die Messestadt ist für Scheidel ohnehin die interessantere Schwester Berlins. Und ansonsten ist er zu Hause im Altenburger Land. Die Menschen hier findet er nach wie vor sehr spannend. Anfangs spielte da noch Verwirrung eine Rolle. Würden sich beispielsweise seine Schwiegereltern streiten, habe das für einen Zugezogenen alle Merkmale eines Streites. “Dabei wird nur diskutiert, nicht selten ironisch und immer mit einem Augenzwinkern”, sagt Scheidel. Und das mag er am Altenburger Land. Hier lebt er aktuell in Elternzeit mit seiner Frau und den drei gemeinsamen Kindern, die neun, vier und drei Jahre alt sind. Im täglichen Leben mit ihnen erfährt er mehr als genug. Beispielsweise über das Schulsystem. Er hat deshalb eine Meinung, wie es seiner Ansicht nach strukturiert sein muss, um Kindern den chancenreichsten Start ins Leben zu verschaffen. Scheidel kann mitreden in der Debatte über Betreuungsschlüssel und Konzeptionen in hiesigen Kindertagesstätten. Und er weiß vor allem, dass Schule und Kindertagesstätten das Elternhaus nicht ersetzen können.

Mit all seinen Erfahrungen bringt sich Daniel Scheidel auch politisch ein. Mitglied in der FDP Altenburger Land wurde er 2004. Kurz darauf marschierte er bis an die Spitze des zugegeben recht kleinen Kreisverbandes der Liberalen. Seit vier Jahren sitzt er im Kreistag Altenburger Land, führt auch dort die FDP an. Posten in verschiedenen Verwaltungs- und Aufsichtsgremien komplettieren sein Engagement. Nun kämpft er um ein Bundestagsdirektmandat im Wahlkreis 195. “Weil Präsens in der Fläche der FDP gut zu Gesicht steht”, sagt er. Über den Ausgang seines Wahlkampfes mag er nicht orakeln. Auch, weil das Bewerberfeld mit acht Kandidaten groß, die Konkurrenz kraftvoll und nicht zu unterschätzen ist.

Die Menschen erreichen will Scheidel bis zum 22. September vor allem in persönlichen Gesprächen. “Wer will, kann mich auch anrufen.” Natürlich gehören Plakate und Info-Stände dazu und wird es geben von der FDP im Wahlkreis 195.

Aber beispielsweise auf Volksfesten oder ähnlichen Veranstaltungen wird man Daniel Scheidel nicht mit FDP-Info-Stand antreffen in den nächsten Wochen. Dafür schon eher bei Veranstaltungen des DGB oder in Diskussionsrunden oder in Foren, bei denen es klar um die Bundestagswahl geht. Und er ist jederzeit zu erreichen für alle, die mit ihm diskutieren wollen über Wahlkampf, Wahlthemen und Politik – vornehmlich über sein Handeln vor Ort. “Denn ich wirke im Lokalen, habe dazu etwas zu sagen und daran möchte ich mich messen lassen”, sagt er. Was der 54-Jährige übrigens gar nicht mag, sind Tricksereien. “Ich weiß, das klingt komisch in Zusammenhang mit Politik”, sagt Scheidel. “Und gefeit davor bin ich sicher nicht.” Doch er wäge lieber ab zwischen Anpassung und aufrechtem Untergang. “Im Zweifel möchte ich mich ja immer morgens im Spiegel anschauen können”, sagt er.

Kontakt: scheidel@fdp-abg.de oder 0151 – 16259831

Jana Borath