16.09.2013 | ABG-Net

die Kolumne

Erbärmlicher Politik-Stil

Wer ist Daniel M. Scheidel, Volkswirt, dass er sich wagt, über Menschen und deren Kenntnisse zu währungspolitischen, wirtschaftlichen und europäischen Aspekten zu urteilen, das Hackebeil bedrohlich schwingt und sie in der Öffentlichkeit so richtig verunglimpft und beleidigt?

Wenn das bei den Menschen in der Hauptstadt oder in den Landesstädten wie Erfurt untereinander nicht nur im Wahlkampf mittlerweile üblich geworden ist, so muss man nicht nach jedem dieser vermeintlichen Strohhalme greifen.

Das kann schlimm enden.

Manch einer hat Scheidels offenen Briefe, Repliks und die Scheidelschen-Partei-Mitteilungen gelesen und auch die, die dem Manne bislang loyal gegenüberstanden, haben nur noch den Kopf geschüttelt.

Wenn man wie Scheidel, zumindest seit er in der Altenburger Region auftauchte, massiv im Glashaus sitzt und bisher nichts, aber auch gar nichts geleistet hat, was von wirtschaftlicher, währungspolitischer oder europäischer Brisanz und Bedeutsamkeit gewesen wäre, sollte man mit seiner Wortwahl sehr sorgsam umgehen. Vielleicht sogar penibel sorgsam. Von wegen der Steine. Nun, er ist Weltbürger, war in wichtigen deutschen Handelskammern auf anderen Kontinenten tätig. Ob erfolgreich? Ja wie jetzt? Jedenfalls hat sich der Weltbürger in Schmölln / Altenburg niedergelassen um in der Stadtverwaltung als Wirtschaftsförderer sein Heil zu suchen. Präzise Karriereplanung also. Er spricht auch mehrere Sprachen. Ich denke, wenn man redet, muss man unbedingt auch versucht sein etwas zu sagen. Wenn es geht sogar schlüssig. Dabei ist es Schnurz, in welcher Sprache. Da ist von ihm als Dichter und Denker, Wirtschaftsdenker freilich, auch noch nichts Gültiges bekannt. Die irreparablen Ergüsse und die verquaste Geisteshaltung in seinen theoretischen Aufarbeitungen der Auseinandersetzung mit seinem wirklichen politischen Gegner, Herrn R., werden eben auch durch sein Gefasel von Rechten-NPD-Nischen und -Ecken klasse belegt. Zeigen nur den banalen Demagogen. Billig, billig, billig. Aber labern will auch gelernt sein. Das war und ist ebenfalls sehr gut für die hiesige Wirtschaftsförderung.

Im Fall S. gab es allerdings dann erwiesenermaßen auch nicht wirklich den von ihm erarbeiteten wirtschaftlichen Aufschwung, denn die Protokolle seiner Qualitätsarbeit liegen im Rathaus vor. Dann war er Marketingchef bei einem Sportrennwagenhersteller, der sich Gottweißwarum im Zentrum der Altenburger Automobilindustrie, auf dem Geländer der Ex-Textima niederließ. Der Sportrennwagenbauer aus dem Schwäbischen baute auf den Weltbürger – und schließt leider seinen Betrieb nun in diesem Jahr. No Comment. Und last but not least wirkte S. als Assistent der Geschäftsführung kurzzeitig in einer Altenburger Likör- und Schnapsfabrik. Wie man hörte, auch wieder nichts, gar nichts.

Warum, denken viele, die die Tagesschlagzeilen der hiesigen Medienwelt aufmerksam verfolgen, warum verhält der Mann sich wie ein Depp? Hat er die falschen Berater womöglich? Wissen Sie, ich denke er verhält sich wirklich wie ein Depp. Sonst würde er doch schlichtweg darüber hinwegsehen, dass ihn die OVZ nicht zum Wählerforum einlud. Ich an seiner Stelle hätte blitzartig ein eigenes Forum organisiert. In derselben Schänke übrigens, da er sich ja gewiss sein kann, dass ihn hunderte, wenn nicht gar tausende folgen, müsste dieser Ansatz fast schon Genialität besitzen. Denn mit ein wenig halbwegs intelligenter Regionalmarketingstrategie wäre er imstande gewesen, die böse Politik der OVZ zu entlarven und sachdienliche Beweise für seine wichtigen Behauptungen bezüglich seiner Mitkonkurrenten auf den Tisch zu knallen. Das wäre mal gründliche PR-Arbeit, hätte was von Wahlkampf und fühlte sich nicht nach so einem Dreckbad wie jetzt an.

Keine der anderen arrivierten politischen Parteien in der Region führt einen derartig penetranten Wahlkampf. Es kann einem übel werden. Und nur aus diesem letzten Grund widmet sich der Joker der Fäkalschlacht des Herrn S. und seiner Kumpane. So mal ganz leise und im Ernst; private Zeitungen dürfen doch meines Erachtens Leute und Parteienvertreter einladen wann sie wollen, wohin sie wollen, wen sie wollen, wie viele sie wollen und warum sie das wollen schreiben sie dann in ihrem Blatt. Halte ich für logisch, oder?

Kann mich aber auch irren, denn warum ist das Blättle dann wirklich eingeknickt und hat den Laber-Abend abgesagt? Das Scheidel mit seiner Motoguzzi (er fährt glaube ich eine andere Marke) in den Saal geprescht kommt, absteigt und wie Spiderman mit dem Leuchtschwert wedelt und für die Rechte seiner wichtigen klitzekleinen Partei eintritt? Lächerlich. Man könnte das Verhalten des Weltbürgers wie das der Zeitung auch anders deuten. Man könnte meinen, sie haben Angst, einfach nur Angst. Donnerwetter – denn das machte ja zumindest den Weltbürger schon wieder fast menschlich. Und das Ergebnis der Bayernwahl liegt doch wohl glasklar auf dem Frühstückstisch heut Morgen. Dreikommadrei Prozent. Welch eine Zahl.

Ihr JOKER