14.09.2013 | Kurier

Bundestagswahl 2013 | Die Kandidaten auf einen Blick

Daniel M. Scheidel (FDP)

Wie lange engagieren Sie sich schon in der Politik?

Mein politisches Engagement begann bereits Mitte der 70er-Jahre in der Oberstufe des Georg-Büchner-Gymnasiums in Bad Vilbel bei Frankfurt a. M. Die Junge Union war damals die politische Gruppierung, die meinen Vorstellungen am nächsten kam.

Ich brachte es damals bis zum stellvertretenden Vorsitzenden des Stadtverbands. Die Zeiten waren aber auch andere: So fuhr der Vorsitzende einen riesigen “Atomkraft – Nein, danke!”-Aufkleber auf seinem Auto spazieren. Als uns jedoch die örtliche CDU unter Druck setzte, weil wir den damaligen bayrischen Ministerpräsidenten Franz-Josef Strauss öffentlich dafür kritisiert hatten, dass er dem chilenischen Diktator Pinochet als Gastgeschenk ausgerechnet eine Pistole überreicht hatte, kehrte ich der Union den Rücken, zu Recht, wie ich nach wie vor finde.

Nach dem Wehrdienst und der Banklehre beschäftigte ich mich zu Beginn meines Volkswirtschaftsstudiums mit den Grünen, hob den Ortsverband mit aus der Taufe und gehörte zwei Jahre (damals wurde bei den Grünen noch rotiert!) der Bad Vilbeler Stadtverordnetenversammlung an. Nach meinen verschiedenen beruflichen Auslandsstationen (verständlicherweise ohne politische Betätigung) gehöre ich im Altenburger Land seit 2004 den Liberalen als Mitglied an. Davon überzeugt hat mich vor allem der damalige FDP-Kreisvorsitzende Karsten Schalla, dessen Verdienste um die Wiederbelebung der FDP im Landkreis nicht hoch genug eingeschätzt werden können.

2006 trat ich dann für die FDP als Kandidat um das Amt des Landrats an und konnte mit über 17,2 Prozent ein durchaus respektables Ergebnis einfahren.

Warum haben Sie sich für ein Mandat für den Bundestag beworben?

Die FDP wird Regierungspartei bleiben. Die liberalen Ideale (“Staatliche Vorschriften nur soweit nötig, soviel Freiheit für den Einzelnen wie möglich”) müssen hörbar bleiben.

Angesichts meiner wirtschaftspolitischen Bildung verbunden mit internationaler Erfahrung könnte ich die Interessen des Altenburger Landes sicher wirkungsvoll und auf Augenhöhe vertreten. Dazu gehören u.a. auch Fremdsprachenkenntnisse wie englisch, französisch und spanisch.

Welche inhaltlichen Schwerpunkte setzen Sie im Wahlkampf?

Solide Finanzpolitik steht ganz obenan. Ich kämpfe für einen weiterhin starken Euro, gegen die Vergemeinschaftung von Schulden und für solide Haushalte in ganz Europa. Wohin eine Vernachlässigung dieser Themen führt, kann man gerade bei einigen unserer EU-Kollegen besichtigen.

Für die Region Altenburg/Greiz steht klar die deutliche Verbesserung der Wirtschaftsförderung im Vordergrund, also die Pflege unserer Bestandsunternehmen und die Schaffung von neuen, fair bezahlten Arbeitsplätzen durch Neuansiedlungen. Flächendeckende Mindestlöhne, wie von SPD, Grünen und Linken (dürfen es 8,50 Euro sein, oder lieber gleich 10 Euro pro Stunde, hier ist alles im Angebot, nur wer das wie errechnet hat, bleibt im Dunkeln!) gefordert, bringen uns dabei nicht weiter; Kirchturmdenken a la “Krieg ich in Altenburg nix, sollst du in Windischleuba auch nix kriegen” ebensowenig. Der entsprechende FDP-Antrag im letzten Kreistag dient allein der Bündelung der Kräfte hier vor Ort zu diesem Thema.

Außerdem gehören Bildung und Kultur zu meinen Schwerpunkten: Unter dem Titel “Thüringer Gemeinschaftsschule” werden hier, speziell in Altenburg, geradezu Verbrechen an unseren Kindern begangen.

Worin sehen Sie Ihre Stärken und wo Ihre Schwächen?

Kommunikation, sowie klare und deutliche Aussagen in verbindlicher Art gehören sicher zu meinen Stärken, beides verbunden mit interkultureller Kompetenz. Ich kann mich also auf Gesprächspartner aus fast allen Weltgegenden einstellen.

Beim Ordnungssinn und der Bewältigung der berüchtigten “Ablage” kann ich ohne Zweifel nicht gleichermaßen glänzen.

Was möchten Sie in den kommenden vier Jahren für die Bürger erreichen?

Selbst habe ich drei Kinder von drei, vier und neun Jahren. Unsere Kinder müssen hier die gleichen Chancen und Perspektiven haben, wie in anderen deutschen Regionen.

Ich möchte in den kommenden vier Jahren eine Universität oder eine Fachhochschule ins Altenburger Land holen, und sei es zunächst auch nur eine Außenstelle einer Universität/Fachhochschule aus Leipzig, Jena, Zwickau oder Chemnitz. Außerdem die Ansiedlung von Arbeitsplätzen (siehe oben). Wann waren denn die Bundestagsabgeordneten Vogel und Tempel in den letzten Jahren hier mit Wirtschaftsdelegationen vor Ort (Staatlich bezahlte Dienstreisen nach Katar ohne greifbares Ergebnis reichen nicht!)? Außerdem will ich die Länderfusion mit Sachsen (der Name des neuen Bundeslandes bleibt hier ausdrücklich offen) endlich vorantreiben.

Daniel M. Scheidel

- geboren 1959 in Frankfurt am Main

- verheiratet, drei Kinder

- bis 1978 Abitur

- bis 1982 Ausbildung zum Bankkaufmann

- bis 1993 Assistent in der Auslandsabteilung der Commerzbank AG

- bis 2007 Referatsleiter Wirtschaftsförderung der Stadt Altenburg

- seit 2011 Elternzeit