05.11.2008 | OTZ

Liberale startklar für Wahljahr 2009

Partei stellt ihre Mannschaft auf

Kosma (OTZ/Eberhard Heinze). FDP Versammlungen und Kreuzberger Nächte haben eines gemeinsam: Sie sind lang. Zweieinhalb Stunden ihrer Freizeit nutzten die Mitglieder des Kreisverbandes der Liberalen, um vor wenigen Tagen im Landgasthof Kosma in neun, teils offenen, teils geheimen Wahlgängen ihre im wahrsten Sinne des Wortes “Mann“schaft für das Wahljahr 2009 aufzustellen. Da für mehrere Aufgaben mehrere Parteifreunde einzeln gewählt werden mussten, ergab sich ein arbeitsreicher Abend. Die kombinierte Wahlkreis- und Mitgliederversammlung begann mit einem ehrenden Gedenken an den am 22. Oktober verstorbenen Schmöllner Alt-Liberalen Martin Lauer.

Erste Wahlhandlung war die Zustimmung für die Direktkandidaten des Thüringer Landtages. Wenn es die Wähler so entscheiden, werden Rolf Hermann aus Löbichau und Daniel Scheidel als Landtagsabgeordnete die beiden Wahlkreise 43 und 44 in der nächsten Legislatur vertreten.

Mit einem Wahlergebnis von 10,8 Prozent zogen 2004 vier FDP-Abgeordnete in den Kreistag ein. Karsten Schalla steht an der Spitze einer Liste von 46 Bewerbern für eine starke FDP-Fraktion.

Zum Wahljahr 2009 gehören auch die Stadtvertretungen der Kreisstadt und Schmölln. Wolfgang Krause und Bastian Schwotzer sollen an der Spitze einer starken Faktion liberale Politik in den beiden Stadträten vertreten und durchsetzen.

“Wir wollen dort keine staatstragenden Reden halten und Versprechungen machen, die wir nicht einhalten können”, erklärte Wolfgang Krause, “sondern im Interesse unserer Wähler arbeiten.”

Detlef Zschiegner und Torsten Grieger werden die Altenburger FDP künftig im Landesparteirat vertreten, weitere Parteifreunde aus beiden Wahlkreisen erhielten die erforderlichen Mehrheiten für den Landesparteitag und für wichtige Kontrollorgane zu den Landtags-, Bundestags- und Europawahlen.

Im Bericht des Kreisvorsitzenden an die Mitgliederversammlung informierte über die in den zurückliegenden Monaten erfolgten Entscheidungen, die zur Bildung eines Altenburger Ortsverbandes und zum Ausscheiden Peter Bugars aus der Kreistagsfraktion getroffen wurden. Gast der Versammlung war Landesvorstandsmitglied Dirk Bergner, der die Grüße des Landesvorsitzenden übermittelte und der für FDP-Abgeordnete den Einsatz für Gerechtigkeit gegenüber dem Mittelstand und den Kampf gegen eine rot-rote Landesregierung in den Vordergrund stellte.

Ausführlich hatte Karsten Schalla nach seiner Wahl als Kandidat für den Kreistag über die Tätigkeit der anderen Kreistagsfraktionen mit scharfer und sarkastischer Kritik informiert. Der Wegfall der 5-Prozent-Hürde könne im neuen Kreistag zu ganz anderen Proportionen führen. Strenge Maßstäbe an den Haushalt anzulegen, bezeichnete er als eine der wichtigsten Aufgaben für die nächste Legislatur. In allen eingangs genannten mehrköpfigen Gremien sind mit Rolf Hermann, Jürgen Heitsch und Bastian Schwotzer aktive Parteifreunde aus der Schmöllner Region vertreten.

Schmöllner Martin Lauer ist nicht vergessen

Liberaler Widerstandskämpfer verstarb vor wenigen Tagen in Stuttgart

Stuttgart/Schmölln (OTZ/Eberhard Heinze). Aus Stuttgart kam eine traurige Nachricht: Martin Lauer, letzter Überlebender der liberalen Widerstandsgruppe um den Schmöllner Knopffabrikanten Kurt Pöschel, ist am 28. Oktober, kurz vor seinem 92. Geburtstag, verstorben. Am 13. November wollte er in Schmölln die Eiserne Hochzeit mit seiner Frau feiern.

Der am 19. Januar 1917 in Breslau Geborene, kam im Winter 1940/41 als Soldat nach Schmölln, lernte Ruth Baumgärtel, Tochter eines Schmöllner Konrektors, kennen und kehrte nach Kriegseinsatz und Flucht aus englischer Gefangenschaft Ende Juni 1945 nach Schmölln zurück. Nach Arbeit in der Brikettfabrik Regis-Breitingen eröffnete der gelernte Buchhändler Anfang 1946 am Amtsplatz eine Leihbücherei. Gleichzeitig trat er der seit Herbst 1945 bestehenden LDPD-Ortsgruppe bei, wurde nach den Gemeinderatswahlen im Frühjahr 1946 Mitglied und später Fraktionsvorsitzender der mit 31,3 Prozent in die Gemeindevertretung gewählten Liberalen. Martin Lauer erwies sich als streitbarer und mutiger Abgeordneter. Aufsehen erregte sein im Juli 1948 eingebrachter Beschlussantrag, zu festlichen Anlässen das Rathaus nicht mit roten Fahnen, sondern in den Kreis- und Landesflaggen zu schmücken. Die DDR-Gründung verband er mit der Forderung nach freien geheimen Wahlen. Diese und andere Äußerungen führten dazu, dass er zur Mandatsniederlegung im Mai 1950 gezwungen wurde.

Schlimme Zustände im Schmöllner Gesundheitswesen veranlassten die Kinderärztin Dr. Raykowski zu einer entsprechenden Information an ihren Parteivorsitzenden, den Schmöllner Knopffabrikanten Kurt Pöschel, der sich hilfesuchend an seine Parteifreunde in West-Berlin wandte, was bei den damals noch offenen Grenzen möglich war.

Stasi und sowjetischer Geheimdienst konstruierten daraus eine Anklage wegen Spionage, in die außer Pöschel und Dr. Raykowski auch die Sekretärin des Fabrikanten und ein holländischer Angestellter einbezogen wurden. Martin Lauer warf man vor, davon gewusst und seine Parteifreunde nicht denunziert zu haben (OTZ berichtete am 30.11.05/07.12.06). Martin Lauer wurde in der Nacht vom 23. zum 24. November 1950 in seiner Wohnung Nödenitzscher Weg 8 verhaftet, die anderen vier Mitglieder der Gruppe einige Wochen später. 25 Jahre Arbeitslager im Gulag in Sibirien lautete das Urteil, Kurt Pöschel wurde zum Tode verurteilt und in Moskau hingerichtet, die Mitangeklagten erhielten ähnlich hohe Strafen.

Schwerste Zwangsarbeit in den Wäldern an der Kama musste geleistet werden. Um sich geistig ertragen zu können, verfasste Martin Lauer eine große Zahl von Gedichten, die er im Schweigelager nicht aufschreiben konnte. Im Ergebnis von Stalins Tod und der Ereignisse am 17. Juni 1953 kehrte er am 28. Dezember 1953 nach Schmölln zurück und verließ wenige Tage später mit Frau und zwei Kindern die DDR.

Erst nach der Heimkehr konnte er die auswendig gelernten Gedichte aufschreiben. Erst im Januar 1997 erschienen sie in einem Buch “Mein Buch Sehnsucht”, das in der Stadtbibliothek, im Ratsarchiv und hoffentlich bei vielen Schmöllnern vorhanden ist.