23.09.2013 | OTZ

Vogel verteidigt Mandat eindrucksvoll, lange Gesichter bei SPD, FDP und den Piraten

Tempel schafft es über die Landesliste seiner Partei ebenfalls wieder in den Bundestag. Wahlbeteiligung etwas höher als vor vier Jahren. Lange Gesichter bei der SPD, der FDP und den Piraten.

Greiz/Gera/Altenburg. Der CDU-Bundestags­abgeordnete Volkmar Vogel hat sein Direkt­mandat im Bundestagswahlkreis 195 Greiz/Altenburger Land eindrucksvoll verteidigt.

Dem vorläufigen Endergebnis zufolge, wurden ihm bei der gestrigen Bundestagswahl 44,9 Prozent der Erst­stimmen anvertraut – vor vier Jahren waren es nur 37,4 Prozent. Ebenfalls wie vor vier Jahren, hat Vogel mehr Wähler, als seine Partei bei den Zweitstimmen verbuchen konnte: CDU 2013 mit 41,8 Prozent, 2009 mit 32,8 Prozent.

Die Region wird weiterhin auch Frank Tempel von der Linken im Bundestag ver­treten. Er schaffte es über die Landesliste seiner Partei nach Berlin. Tempel bekam gestern 24,3 Prozent der Stimmen, vor vier Jahren hatte er noch 29,3 Prozent. Auch Tempel ist bei den hiesigen Wählern beliebter als seine Partei – die Linke ergatterte gestern bei den Zweitstimmen 23,0 Prozent, vor vier Jahren waren es noch 28,6 Prozent.

SPD-Kandidat Dr. Nikolaus Dorsch kam lediglich auf glatt 14 Prozent der Stimmen. Der sozialdemokratische Kandidat von 2009, Wilfried Präger , hatte immerhin 17,6 Prozent geschafft.

Die Alternative für Deutschland schaffte mit dem Ex-Sozialdemokraten Sieghardt Rydzewski aus dem Stand heraus auf glatt sechs Prozent. Der Grüne Jens Kämpfer erkämpfte sich immerhin 2,8 Prozent, eine Zahl, die auch beim Piraten Holger Peckmann steht. Daniel Scheidel von der FDP ging mit 1,6 Prozent unter. Der achte Direkt­kandidat im Bundestagswahlkreis 195, Kevin Schulhauser (NPD), erreichte 3,7 Prozent.

Die Wahlbeteiligung in den Landkreisen Greiz und Altenburger Land lag bei glatt 68 Prozent, damit etwas höher als vor vier Jahren, als 64,2 Prozent der Wahlberechtigten an die Urnen gingen. In absoluten Zahlen machten 116“044 Direkt- und Briefwähler von ihrem Wahlrecht Gebrauch. In den 308 Wahlbezirken des Wahlkreises waren 2300 Erst- und 2128 Zweit­stimmen ungültig, u.a. weil die Stimmzettel falsch oder auch gar nicht ausgefüllt waren.

“Ein so eindeutiges Ergebnis hatte ich nicht erwartet”, sagte Volkmar Vogel beeindruckt. “Es ist ein schöner Erfolg für das Modell Volkspartei, das mancher schon für ausgelaufen erklärt hatten”, meinte er während einer Stippvisite in Greiz. “Die bundesweit erreichten Ergebnisse zeigen, dass die Politik von Angela Merkel richtig ist.” Mit seinen Anhängern werde er erst heute Abend im Reußischen Hof in Schmölln so richtig feiern. Gestern Abend wäre Vogel bei den ständigen Glückwunschanrufen wohl eh nicht dazu gekommen.

“Es ist ein solides Ergebnis, aber keines zum himmelhoch Jauchzen”, beschrieb Frank Tempel seine Gefühle. Bei allen Stimmanteilverlusten überwiege die Freude über das Erreichte, habe es doch in der Linken vor einem Jahr noch Existenzängste gegeben, sagte er in einer fröhlichen Runde in seinem Greizer Wahlkreis­büro, bevor er zur Party der Linken nach Altenburg fuhr. Den CDU-Erfolg verstehe er “bei all den Problemen, die die Leute haben”, eher nicht, er könne ihn aber akzeptieren.

Erst einmal Urlaub nehmen nach dem nervenzerrenden Wahlkampf können die beiden erfolgreichen Kandidaten des Wahltages kaum. Vogel und Tempel werden schon morgen“in ihren neuen Fraktionen in Berlin erwartet.

Diese Sorgen hat Dr. Nikolaus Dorsch nicht. Auf seiner Party im Altenburger Ratskeller kam wahrlich keine Stimmung auf, auch weil sein persönliches Ergebnis schlechter ist als jenes seiner Partei. “Ich wollte primär besser sein als die Linken in unserem Wahlkreis. Und ja, gewinnen wollte ich eigentlich auch.” Der Wahlkampf sei für ihn eine besondere Erfahrung gewesen, so sein Resümee. “Ich habe so viele Menschen kennengelernt und so viel gesehen vor allem vom Landkreis Greiz – all das bedaure ich nicht.”

Nicht minder enttäuscht waren Holger Peckmann und seine Piraten. “Auf Bundesebene gehen wir ja praktisch in der Rubik Andere namenlos auf”, konnte er es nicht fassen. Noch erschütterter sei er jedoch, dass die Piraten sogar hinter der NPD in der Gunst der Wähler liegen. “Das kann ich nicht verstehen.” Diese Tatsache sei für ihn Ansporn, sich ab sofort auf kommunaler Ebene einzubringen.

Der FDP-Mann für das Greizer und das Altenburger Land, Daniel Scheidel, sprach von einem “rabenschwarzen Tag” nicht nur für seine Partei, sondern auch für den Liberalismus. Freilich habe er nicht mit dem Einzug in den Bundestag gerechnet. Viel unerwarteter sei für ihn die Tatsache, dass die FDP bundesweit den Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde verpasst hat. Die guten Ergebnisse der schwarz-gelben Koalition in Berlin hätten die Wähler offenbar nicht den Liberalen mit zugeschrieben, so seine Interpretation der Niederlage.

Grünen-Direktkandidat Jens Kämpfer war trotz vorheriger Absprache gestern Abend telefonisch nicht zu erreichen.

Ebenso tauchte Sieghardt Rydzewski ab, den gestern offenbar nicht einmal sein Wahlkreis-Sprecher Stephan H. W. Meusel zu hören bekam.

Marius Koity, Jana Borath, Katja Schmidtke