23.09.2013 | OTZ

Lange Gesichter in Altenburg und Jubel in Greiz

Volkmar Vogel aus Kleinsaara verteidigt Direktmandat für den Bundestag und feiert mit CDU und Freunden. Auch Frank Tempel ist weiter in Berlin präsent. Er schafft den Einzug über die Landesliste der Linken. Weit abgeschlagen folgen alle anderen Mitbewerber im Wahlkreis 195.

Altenburg/Greiz. Lange Gesichter gestern Abend in Altenburg. Denn dort trafen sich die Verlierer der diesjährigen Bundestagswahl zu ihren Partys. So richtig Stimmung wollte bei den Sozialdemokraten um ihren Direktkandidat Nikolaus Dorsch wahrlich nicht aufkommen im Altenburger “Ratskeller”. Nicht nur, dass der Mann mit genau 14 Prozent der Wählerstimmen weit abgeschlagen hinter Volkmar Vogel (CDU) und Frank Tempel (Die Linke) zurückblieb laut vorläufigem Endergebnis. Sondern er hinkte außerdem deutlich dem Thüringer Landesergebnis seiner Partei hinterher.

“Ich wollte primär besser sein als die Linken in unserem Wahlkreis. Und ja – gewinnen wollte ich eigentlich auch”, sagte ein sichtlich geknickter Nikolaus Dorsch kurz nach 18 Uhr gestern Abend. Dennoch habe er viel gelernt in den vergangenen Wochen. Der Wahlkampf sei eine besondere Erfahrung gewesen für ihn. “Ich habe so viele Menschen kennengelernt, so viel gesehen vor allem vom Landkreis Greiz – all das bedaure ich nicht”, so Dorsch. Trotzdem, so sagt er klar, sein Wahlkampfziel habe er verfehlt.

Nicht minder enttäuscht gaben sich gestern Holger Peckmann und seine Piratenpartei im Altenburger Land. Zum einen, weil sich die noch junge Partei ein besseres Abschneiden versprochen hatte. “Auf Bundesebene gehen wir ja praktisch in der Rubrik Andere namenlos unter”, so Peckmann. Noch erschütterter sei er jedoch zum anderen, dass seine Partei im Altenburger Land mit gerade mal 2,8 Prozent noch hinter der NPD liege in der Gunst der Wähler. “Das kann ich nicht verstehen”, so Peckmann fast entsetzt. Vor allem diese Tatsache des gestrigen Abends ist für den Piraten jedoch Ansporn, sich ab sofort auf kommunaler Ebene intensiver einzubringen. Weil im kommenden Jahr Wahlen sind in dieser Hinsicht – aber nicht nur deshalb, wie er sagte.

Der FDP-Mann für das Greizer und Altenburger Land, Daniel Scheidel, sprach gestern von einem rabenschwarzen Tag nicht nur für seine FDP, sondern den Liberalismus. Freilich hatte Scheidel nicht mit dem Einzug als Direktkandidat in den Bundestag gerechnet, doch dass er nicht einmal zwei Prozent der Wählerstimmen auf sich vereinigte, stimme ihn traurig. Viel unerwarteter sei jedoch die Tatsache, dass die FDP den Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde verpasst hat. Man habe die Botschaft nicht kommunizieren können, die guten Ergebnisse der schwarz-gelben Koalition hätten die Wähler offenbar nicht den Liberalen mit zugeschrieben, so Scheidel. Welche Folgen das schlechte Abschneiden hat, soll in zwei Wochen im Altenburger FDP-Kreisvorstand besprochen werden, persönliche Konsequenzen will der Vorsitzende der FDP-Kreistagsfraktion nicht ausschließen.

Und während sich Sieghardt Rydzewski, Direktbewerber der Alternative für Deutschland (AfD, 6 Prozent), und Grünen-Direktkandidat Jens Kämpfer (2,8 Prozent) gestern trotz vorheriger Absprachen und rechtzeitiger Anfragen in Schweigen hüllten und telefonisch nicht zu erreichen waren, war der Jubel in Greiz groß.

Dort nämlich feierten die Christdemokraten und hatten allen Grund dazu. Denn der CDU-Bundestags­abgeordnete Volkmar Vogel aus Kleinsaara hat sein Direkt­mandat im Bundestagswahlkreis 195 Greiz/Altenburger Land eindrucksvoll verteidigt. Dem vorläufigen Endergebnis zufolge wurden ihm bei der gestrigen Bundestagswahl 44,9 Prozent der Erst­stimmen anvertraut.

Den Wahlkreis 195 wird weiterhin auch der Zehmaer Frank Tempel von der Linken im Bundestag vertreten. Er schaffte es über die Landesliste seiner Partei nach Berlin. Frank Tempel bekam gestern 24,3 Prozent der Stimmen.

Deutlich gestiegen im Vergleich zur Bundestagswahl 2009 ist die Wahlbeteiligung. Im Greizer und Altenburger Land gingen gestern insgesamt 116 044 Frauen und Männer wählen. Das entspricht einer Wahlbeteiligung von 68 Prozent. Vor vier Jahren war das Interesse an der Bundestagswahl nicht so groß. Damals machten 64,2 Prozent der Wahlberechtigten von ihrem Wahlrecht Gebrauch. Bemerkenswert in Schmölln war gestern die Tatsache, dass es in Sachen Wahlbeteiligung kaum Gefälle zwischen den Wahllokalen gab. “In allen war die Wahlbeteiligung gleichmäßig und höher als vor vier Jahren”, resümierte Hauptamtsleiter Wolfgang Linß. Was seine Amtskollegin Dorothee Philipp in Gößnitz bestätigte für ihren Einzugsbereich. “Sogar die Möglichkeit der Briefwahl wurde viel mehr genutzt.”

Jana Borath, Marius Koity, Katja Schmidtke